Die Beschlüsse des Zentralbankrats vom 5. Mai haben der Zinssenkung einen neuen Anstoß gegeben. Einige Banken haben das Signal verstanden und Kreditzinsen gesenkt. Kann es, was die Zinsen angeht, von nun an nur noch besser werden?

Jetzt werden die Gelddisponenten der Banken und Sparkassen auch wieder am normalen Lombardschalter der Bundesbank bedient. Lange genug war ihnen das verwehrt worden, genaugenommen seit dem 20. Februar 1981. Damals dem der Zentralbankrat diesen Schalter geschlossen und die Gelddisponenten gezwungen, zum andern Schalter zu gehen, an dem sie sich auch Geld leihen konnten – allerdings nur, wenn sie Handelswechsel hatten, die noch nicht fällig waren. An diesem Schalter bekamen sie die Wechselsumme minus Zinsen ausgezahlt. Nicht allen stand dieser Weg offen. Manche Banken und Sparkassen haben geschäftsbedingt nicht so viele Handelswechsel, und außerdem hat die Bundesbank für jedes Kreditinstitut einen Rahmen festgelegt, der die anzunehmenden Wechsel begrenzt.

Aus diesen Gründen herrschte am Lombardbegrenzt solange er offen war, immer großer Andrang. Dort konnten Banken und Sparkassen unbegrenzt Notenbankgeld erhalten, wenn sie bereit waren, langfristige Wertpapiere an die Bundesbank zu verpfänden. Ehe der Lombardschalter Sie mals geschlossen wurde, haben sich die Kreditinstitute dort reichlich mit Geld eingedeckt. Sie zahlten dafür zuletzt neun Prozent Zinsen. In New York lockten 19 Prozent und mehr. Viel Geld wanderte wegen dieser Zinsdifferenz ins Ausland – fatal für das Riesenloch in unserer außenwirtschaftlichen Bilanz.

Die Bundesbank hatte sich das eine Zeitlang mit angesehen. Dann hat sie den Lombardschalter kurzerhand geschlossen. Damit die Geldinstitute aber nicht ihre Zahlungsunfähigkeit erklären mußten, hat sie von Zeit zu Zeit einen neuen Schalter aufgemacht, den Sonderlombardschalter. Sie hat dort anfangs zwölf Prozent Zinsen verlangt und die Schilder „Geöffnet“ oder „Geschlossen nach Bedarf ausgewechselt.

Damit hatte bei uns in der Bundesrepublik die schlimme Zeit der Hochzinsperiode begonnen. Aber die Bundesbank konnte nicht anders, wollte sie nicht zur Geißel der Arbeitslosigkeit das Elend der trabenden Inflation und die Bürde wachsender Defizite im Zahlungsverkehr mit dem Ausland hinzufügen. Die USA gaben mit außerordentlich hohen Zinsen den Ton für die ganze westliche Welt an, und auch Bonn hatte mit der hohen Staatsverschuldung sein Scherflein zu den hohen Zinsen beigetragen.

Stufenweise konnte die Bundesbank dann aber die Erfolge im Export, die Ölpreissenkungen und das Wieaererstarken der Mark zu Zinssenkungen nutzen. Am Sonderlombardschalter mußten zuletzt nur noch 9,5 Prozent Zinsen gezahlt werden. Als sich zeigte, daß die wachsenden Exportüberschüsse das Defizit in der außenwirtschaftlichen Bilanz wirksam zusammendrückten und daß die Lohnabschlüsse dieses Jahres die Kostensteigerung in der Wirtschaft in bescheidenen Grenzen halten, brauchte die Bundesbank nicht mehr so gebannt nach den USA zu schielen.

Es war nur konsequent, daß der Zentralbankrat jetzt die endgültige Schließung des Sonderlombardschalters anordnete. Am normalen Lombard-Schalter ist wieder Geld für neun Prozent zu haben, wie vor dem 20. Februar 1981. Wir sind zur Normalität zurückgekehrt. Die Rückkehr wurde dadurch erleichtert, daß sich in Washington ein Budget-Kompromiß mit geringeren Defiziten abzeichnete. Damit haben sich auch die Zinserwartungen in den USA geändert: Zinssenkungen werden wieder für möglich gehalten.