Die Arbeitsgruppe „Touristeninformation Dritte Welt“ versucht, die durch den Ferntourismus bedingten „negativen sozio-kulturellen Auswirkungen auf Länder der Dritten Welt“ einzudämmen.

Vor drei Jahren war ich in Gambia. Dieser winzige afrikanische Staat an der Westküste war damals noch selbständig, aber schon gebeutelt von wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die auch der unerwartete Tourismus-Boom ins Land gebracht hatte. Spekulation war überall sichtbar, nach Korruption roch es an allen Ecken und Enden. Hotels und Bungalowanlagen wurden aus dem Boden gestampft. Es herrschte ein Chaos ohnegleichen, die Reklamequoten unzufriedener Urlauber erreichten Spitzenwerte.

Woran ich mich auch erinnere: an Scharen von Kindern, die sich an unsere Fersen hefteten und eintönig bettelten: „Have chewing gum, have ballpoint, have chocolade“.

Der unvermeidbare Kollaps kam. Die Wirtschaft brach zusammen, der Tourismus ging abrupt zurück. Um überleben zu können, schloß sich Gambia dem benachbarten Senegal an. Die Schäden, die dem kleinen Land in ganz kurzer Zeit durch einen ungelenkten, aber profitgesteuerten Tourismus zugefügt wurden, werden so schnell nicht zu beseitigen sein.

Solche „negativen sozio-kulturellen Auswirkungen auf Länder der Dritten Welt“ will die Arbeitsgruppe „Touristeninformation Dritte Welt“ im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) bewußt machen. Sie wendet sich an die etwa halbe Million Bundesbürger, die jährlich von deutschen Flughäfen in die „Länder der Armen“ startet.

Die Arbeitsgruppe besteht seit 1980. Ihr Ziel: „Wir wollen die Touristen aufklären, ihnen wichtige Informationen über die Länder der Dritten Welt geben, vor allem über die Menschen, die dort leben.“ Ingo Ferrari von der Arbeitsgruppe ist überzeugt davon, daß die deutschen Touristen viel besser sind als ihr schlechter Ruf, daß schlechtes Benehmen weitgehend auf Informationsmangel zurückgeht. Seine Arbeitsgruppe hat inzwischen eine Fülle von Aufklärungsmaterial (Filme, Broschüren) zusammengestellt. Filme des BMZ werden zum Beispiel Touristen . auf dem Flug in Dritte-Welt-Länder gezeigt. Informationsbroschüren gibt es für zwei Mark über den Studienkreis für Tourismus e.V., Dampfschiffstraße 2, 8130 Starnberg.

Die BMZ-Arbeitsgruppe träumt von langfristigen Erfolgen. Ferrari: „Wir stellen uns vor, daß die Reisenden in Länder der Dritten Welt mehr Mut zu selbständigen Unternehmungen bekommen.“ Daß sie sich vom Pulk lösen, nicht mehr als bedrohliche Menschenladung aus Sightseeing-Bussen drängen.