Von Gerd Helbig

Da war dieser Reporter vom amerikanischen Magazin Esquire, der wollte die Fidschianer bei den UN-Truppen besuchen. Wir haben ihn hinvermittelt – und vergessen. Nach drei Wochen erhielten wir ein Telegramm aus New York mit der dringenden Bitte, nachzuforschen, wo er geblieben sei. Zur Sicherheit fragten wir bei den Fidschianern an, wann der Reporter sie verlassen habe. Die Auskunft: „Der? Der ist noch hier!“

Der Pressesprecher der UN-Truppen im Südlibanon, ein quirliger Türke mit Namen Timor Goksel, enger Vertrauter des irischen Truppenchefs General William Callaghan, verkauft seine Soldaten gut. Spätestens nach dem zweiten Besuch bei den Fidschianern im Süden glaubt man seine Geschichte vom verschollenen Reporter.

Hinter der Bezeichnung „Fiii Batt“ verbirgt sich eine ungewöhnliche militärische Einheit: 620 Soldaten des Bataillons von den Fidschi-Inseln, die den UN-Übergangstruppen im Südlibanon (Unifil) zugeordnet und seit über drei Jahren dort stationiert sind, um den Frieden zu sichern. Ihre auffälligste Eigenschaft: Sie sind überschwenglich fröhlich.

Als die Israelis nach ihrer Invasion 1978 den Süden des Libanon wieder räumten, zog die Unifil ein. Jeweils ein Bataillon aus Norwegen, Nepal, Nigeria, Senegal, Ghana, Irland, den Niederlanden und aus Frankreich. Gefragt wurde auch Fidschi, jenes gerade acht Jahre alte Staatswesen, bestehend aus etwa 300 Inseln, die man noch am ehesten wegen ihres Namens kennt und auf dem Atlas im Pazifischen Ozean östlich von Australien suchen muß. Die Bitte des UN-Generalsekretärs war einfacher gestellt als erfüllt: Wenn man nur zwei Bataillone hat und eines davon ins Zentrum der Nahostkrise entsendet, ist schließlich die halbe Armee weg. Mittlerweile haben die Fidschianer zwar drei Bataillone, schickten aber bereits ein weiteres auf die Sinai-Halbinsel.

Die Fidschianer sind in einer heiklen Zone stationiert: Sie grenzt an jenen Distrikt, der rund um die alte, in Mitleidenschaft gezogene Hafenstadt Tyros liegt und den Palästinensern als Operationsgebiet zugestanden worden ist. Südlich von ihnen Gegen die Niederländer; zwischen sie und Israel wiederum schiebt sich der schmale Streifen des sogenannten Haddad-Landes, jenes vom abtrünnigen Major der libanesischen Armee, Saad Haddad, von Israelis Gnaden errichteten „Freien Libanon“. Eigentlich gehört die UN gemäß dem Sicherheitsrats-Beschluß auch hierher. Aber politisch geht das nicht, mit Gewalt sowieso nicht – einmal, weil sie den UN-Truppen untersagt ist, zum anderen, weil dort die lakonisch „DFF“ (de facto forces) genannten Truppen Haddads stehen. Im Klartext: Israel ist davor.

In dieser Pufferzone haben sich die Fidschianer bis jetzt bewährt, wenngleich nicht, ohne Lehrgeld bezahlt zu haben. Der Anfang war schwer. „Wissen Sie“, grient der Begleiter, Leutnant Buadromo, „wir nehmen doch nichts ernst zu Hause.“ Hier, in den spröden Bergen des Südlibanon, war plötzlich alles ernst. Irgendein Scherz konnte sofort zu einer bedrohlichen Auseinandersetzung führen, Charme erschien in den Augen der Einheimischen gleich als pure Aufdringlichkeit. Die Leichtlebigkeit der dunkelhäutigen Südsee-Soldaten vertrug sich nicht mit der konservativ-islamischen Lebensart der Landbevölkerung. Es dauerte, bis ihr die Erkenntnis dämmerte, daß diese Soldaten ein Glücksfall für sie sind, weil Friedlichkeit ihre Lebensform ist. Aber wie sollten die jungen Soldaten wissen, daß eine kesse Bemerkung zu einem Mädchen auf der Straße Grund zu bitterer Fehde sein kann? Nach drei Jahren wissen sie es.