Von Hans-Christoph Blumenberg

Auf der anderen Seite der Erdkugel, viele tausend Kilometer von der Heimat entfernt, ist in Krieg ausgebrochen: ein „gerechter“ Krieg, wie es scheint. Junge Männer rüsten sich zur langen Fahrt in ein fernes Land. Über den Rekrutierungsbüros weht der Union Jack. Ein patriotischer Taumel hat die Menschen erfaßt.

Klingt das vertraut? Aber nicht vom britischen Abenteuer bei den Falkland-Inseln (oder den Isias Malvinas) ist die Rede, sondern vom Präludium zu einem anderen, einem historischen Desaster. Der Schauplatz: eine türkische Steilküste an den Dardanellen, April 1915. Die Opfer: 26 000 australische und 7500 neuseeländische Soldaten, gefallen zum Ruhme eines Königs in London. Der Film: „Gallipoli“ von Peter Weir, 1981 in Australien gedreht.

Die nationalistische Begeisterung kennt keine Grenzen. Jeden Tag beschwören die Londoner Massenblätter die auferstandene Glorie des Empire. Die Hoffnungen der Nation richten sich auf die Kraft und die Schnelligkeit ihrer Jugend. Ein Mitglied der königlichen Familie schaltet sich persönlich in den bevorstehenden Kampf ein.

Klingt das ebenfalls vertraut? Und wieder geht es nicht um die Versenkung eines argentinischen Kreuzers, um Englands Rachefeldzug im kalten Süden, sondern um einen athletischen Wettbewerb.

Der Schauplatz: die Olympischen Spiele in Paris, 1924. Die Helden: zwei englische Läufer, Sieger über einhundert und vierhundert Meter. Der Film: „Chariots of Fire“ (Deutscher Titel: „Die Stunde des Siegers“) von Hugh Hudson, 1981 in England gedreht.

Vorbei die Glanzzeit des Imperiums, vergangen die Macht einer Nation, deren Bewohner sich als „die Römer des 19. Jahrhunderts“ (Premierminister Palmerston) fühlten. Undenkbar geworden ein Satz wie dieser des räuberischen Pfeffersacks Sir Cecil Rhodes: „Wir sind das überlegenste Volk, je mehr uns von der Welt gehört, um so besser für die menschliche Rasse.“