Essen

Es handelt sich hier nicht um einen politischen Prozeß“, betont der Vorsitzende Richter der 6. Großen Strafkammer des Essener Landgerichts, Siegfried Bielefeld. Allerdings, so räumt er ein, wären die Beschuldigten ohne den „politischen Hintergrund“ wohl nicht auf die Anklagebank geraten. Die Angeklagten, das sind der 39jährige Peter Jaszczyk, Opel-Betriebsrat in Bochum und DKP-Funktionär, sowie drei weitere DKP-Mitglieder, ferner Jaszczyks Frau Edith.

Der „politische Hintergrund“ des Verfahrens, in dem es laut Anklage um „gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung“ geht, ist ein gescheiterter Anwerbeversuch des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Der Agent Siegfried Köntgen hatte Peter Jaszczyk Ende Mai vergangenen Jahres in dessen Bottroper Wohnung aufgesucht und sich als „Herr Madler, Mitarbeiter im Bundesinnenministerium“ vorgestellt. Madler alias Köntgen kam gleich zur Sache: Er sei an Informationen über die DKP interessiert, ob Jaszczyk denn für eine Mitarbeit zu gewinnen sei.

Jaszczyk verabredete sich für den 1. Juli erneut mit Köntgen und bestellte zum selben Termin drei Kollegen zu sich in die Wohnung, die vom Nebenzimmer aus das Anwerbegespräch belauschen sollten. Was sich dann in der Wohnung abgespielt hat, ist auch nach dieser sechstägigen Verhandlung nicht eindeutig erwiesen.

Agent Köntgen behauptet, eine Stunde lang mit Knüppeln und Fäusten geschlagen worden zu sein, seine Genitalien seien „gequetscht“ worden, schließlich habe man sein Gesicht mit einer ätzenden Flüssigkeit besprüht und ihm einen halben Liter Schnaps eingeflößt.

Der Hauptangeklagte Peter Jaszczyk, der während des gesamten Ermittlungsverfahrens geschwiegen hatte, bestreitet diese Vorwürfe vor Gericht. Es sei zwar richtig, daß er Köntgen „die Hosen runtergezogen“ und ihn „mit sanfter Gewalt in die Couch gedrückt“ habe – aber nur, um ihn an der Flucht durch die offenstehende Balkontür zu hindern. Auch mag es sein, daß er dem Verfassungsschützer „zwei oder drei Ohrfeigen verpaßt“ habe, räumt der stämmige, 1,90 Meter große Angeklagte ein, jedoch bloß, um zu erfahren, „wie der wirklich heißt“.