Von Gabriele Venzky

Seit Indira Gandhi in Indien wieder an der Macht ist, sind eine ganze Reihe von Büchern über die angeblich „mächtigste Frau der Welt“ erschienen, darunter halb und viertel und achtel autorisierte Biographien, über die es dann jedesmal Krach gab, weil sie entweder überhaupt nicht autorisiert waren, oder weil deren Inhalt „Madam“ nun nicht mehr gefiel. Einigermaßen ungeschoren ist Dom Moraes davongekommen, und das wahrscheinlich auch nicht von ungefähr. Sein Buch über Frau Gandhi ist wohl das beste, sicherlich aber das subtilste, das über die indische Ministerpräsidentin bisher geschrieben worden ist.

Denn auf Subtilitäten versteht sich Dom Moraes. Eben erst hat er sein Bombay-Buch auf den Markt gebracht. Außerordentlich kenntnisreich und mit viel Liebe hat er diese vielschichtige Stadt dargestellt. Nur zu den dreieinhalb Millionen Bewohnern der elenden Slums hat er keine rechte Einstellung bekommen: Mit ihnen kommt ein Oberschicht-Inder wie Moraes nicht in Berührung. Sensibel wie der Schreiber ist der Photograph dieses Bildbands an sein Thema herangegangen. So, wie er Bombay zeigt, so ist es wirklich. Leider hat es dann der Verlag an der gleichen Feinfühligkeit fehlen lassen. Derart rücksichtslos sollte man einen Bildband eigentlich nicht mitten durch die Photos hindurch binden:

Dom Moraes: Bombay. Photos von Bruno Barbey. Erschienen in der Time-Life-Reihe: Die großen Städte. Mit 75 ganzseitigen Farbaufnahmen. Amsterdam/München 1980, 200 S., DM 39,–.

Diese Probleme gibt es in dem Gandhi-Buch nicht, das der produktive Moraes gleich darauf herausgebracht hat, abgesehen davon vielleicht, daß die zumeist recht alten Aufnahmen bemerkenswert schlecht reproduziert sind:

Dom Moraes: Mrs. Ghandi. Jonathan Cape Verlag, London 1980; 336 S., DM 9,50.

Dom Moraes ist ein Verehrer von Indira Gandhi, ein Freund sogar. Daraus macht er keinen Hehl. Aber das macht ihn dennoch nicht zum Apologeten jener Frau, die in Indien immerhin für eine Weile die Demokratie abschaffte und viele ihrer Untertanen auf bittere Weise spüren ließ, was es heißt, autokratisch regiert zu werden. Es gelingt ihm jedoch durch seine Nähe – wenn man dieser Frau überhaupt nahe kommen kann – gewisse Dinge plausibel zu machen.