Der Prozeß um die Moschusenten nimmt seinen Lauf. Das Gericht hat Lokaltermin beschlossen. Unser Autor lugt durchs Fenster.

Die Justizherren, Richter und Rechtsanwälte stiegen in die Autos, während die Bauern auf die Rücken ihrer Einhörner kletterten, fest entschlossen, die drei Kilometer nach Stöckte gemeinsam zurückzulegen. Dortselbst stand ich am Fenster, als die Kolonne – von einer Staubwolke gefolgt – oben den Deich entlang kam. Die Autos und die Einhörner rollten und trabten auf den Hof. Alles ging gemütlichen Schrittes in den Garten, um erstaunt und wißbegierig zu begucken, was sie lange schon kannten, und durch einen Schlitz im Fenstervorhang sah ich, wie der hannoversche Sachverständige mit erhobenem Zeigefinger die Enten erklärte, die stolz herumgingen, wobei sowohl Jung- als auch Alt-Erpel duftende Flecken fallen ließen. Einer der Herren stand mit dem Notizbuch da und machte Eintragungen. Das mußte Herr Puvogel sein. Ob er denn wenigstens niederknien und an den Flecken riechen würde – wie das einem schicken Gerichtsreporter geziemt, wenn sich schon die Gerichtspersonen nicht bücken wollen? Keine Zeit, keine Zeit! Justitia war motorisiert und nahm wenig Rücksicht auf die Enten und auf Alexandra, die schon ganz blaß war vom Aufenthalt im umfriedeten Gerichtsgrundstück. Und schon brauste die Kolonne wieder davon.

Nicht lange danach, mittags gegen zwei Uhr – und dies ist, wie wir wissen, die heilige Stunde, in der alle Richter der Welt zu ihrem Mittagbrot und ihren Lieben eilen! – kehrte Alexandra zurück, bleich, atemlos. Die Menschen vom Gericht, sie hatten auch nach ihrer Rückkehr vom Lokaltermin noch einmal lange, gut und schnell gesprochen: auch ihr Rechtsanwalt und ihr Richter. „Kunststück“, sagte ich. „Überall steht jetzt das Mittagessen auf dem Tisch; bloß bei der Angeklagten ist keine Herdplatte geheizt. Und los, sag’ schon: Was ist?“

Alexandra lehnte an der Bücherwand. „Freigesprechen!“ sagte sie, „auf Kosten der Staatskasse!“

„Freigesprochen!“ rief ich, „auf Kosten der Staatskasse! Das wird ein Fest, wie es noch keines gab! Laß mich an alle Freunde telegraphieren. Laßt uns ein Gartenfest vorbereiten! Die Enten sollen endlich einen Sack Manioka kriegen; Manioka vom besten, die wackeren Streiter des Rechts! Ach, was haben sie alles durchgemacht! Und Lampions wollen wir in die Erlen hängen; eine Tanzfläche wollen wir bauen für den Erpel und uns, und der Wein soll strömen; heiße Würstchen wollen wir kesselweise wärmen – was sag ich: Würstchen! Her mit einem kalten Büfett, her mit Hummer und Kaviar.“

„Ganz recht“, sagte Alexandra, „aber erst will ich einmal Bratkartoffeln machen! Treib du nur derweil deinen Unfug weiter!“

Unfug? War das Unfug, an Mister, Bell zu telegraphieren: Britische Botschaft, Karatschi, Pakistan? Und an den Enten-Vater Kurt Fried in Ulm? Und nach Rösselsberg in Oberbayern? Und nach Paris an den Vorstand des Comité pour les études?