Das sich offenbar sehr sicher fühlende Regime von Justitiaren und Verwaltungsbürokraten im Westdeutschen Rundfunk zu Köln, das immer mehr zu einem eiskalten Schreckensregime entartet, benutzt einen Beschluß des Bundesverfassungsgerichts, um seinen Mut an acht Mitarbeitern zu kühlen, die sich Mitte der siebziger Jahre als Festangestellte in den WDR eingeklagt hatten: Intendant Friedrich Wilhelm von Bell kündigte diesen Mitarbeitern fristlos. 400 andere Funkangestellte, die ebenfalls die Rechtsprechung der Arbeitsgerichte benutzt hatten, einen warmen WDR-Sessel zu ergattern, den sie inzwischen schon viele Jahre beisetzen, werden von den Arbeitsrechts-Strategen am Appellhofplatz in Köln systematisch mitverunsichert.

Die Super-Juristen und Rabulistiker, jahrzehntelang ans Prozeß-Verlieren vor Arbeitsgerichten gewöhnt, nutzen den keineswegs so eindeutigen Spruch aus Karlsruhe, um endlich einmal zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Kalte Rache und hämische Genugtuung werden mit sorgenvoller Miene in prozeßtaktische und formale Argumente gekleidet. Allen voran vollstreckt der Oberjustitiar und stellvertretende Intendant Professor Günter Herrmann seine jahrelangen forensischen Frustrationen an den Medientätigen seines Hauses.

Der Karlsruher Sprach sagte nicht weniger und nicht mehr, als daß die Urteile des Bundesarbeitsgerichts von 1977, mit denen die WDR-Mitarbeiter gesiegt hatten, nicht genügend auf das Verfassungsgut der „Rundfunkfreiheit“ eingegangen seien. Karlsruhe ahnte nicht, daß die antisozialen Machtinhaber im nicht, mit dem Beschluß einen solchen Vergeltungsschlag anrichten würden, sie, die als öffentlich-rechtliche Dienstherren zu Fürsorge, Bedachtsamkeit und sozialem Verhalten verpflichtet wären. Aber ihre Rachegelüste waren zu stark. Einem Betroffenen, der zu Schiff auf dem Meer herumfuhr, kündigten sie gar per Funk über Radio Norddeich – so eilig hatten sie es. Nun schieben sie jämmerliche und durchsichtige formale Argumente vor: Wenn die Acht in dem jetzt wiederauflebenden arbeitsgerichtlichen Verfahren den Prozeß für „erledigt“ erklärten, weil sie ja bereits angestellt seien, was eben sie durch die Klage erreichen wollten, komme der arme WDR in eine schlechte Rechtsposition.

Da wäre mal ein Blick in ein paar Kommentare angebracht gewesen: In einem solchen Fall muß das Bundesarbeitsgericht dennoch prüfen, ob die Klage begründet gewesen wäre. Schon wegen der Kostenverteilung. Wäre sie dann nicht begründet gewesen, so könnte der WDR seine Hereingeklagten immer noch kündigen.

Dabei hat Intendant von Seil zunächst die Vernunft walten lassen, großartig von Sozialschutz und Sozialbezug geredet und versprochen, daß Mitarbeitern nicht gekündigt würde.

Besonders Herr von Seil spricht so gern von den Vorzügen des öffentlich-rechtlichen Systems, die offenbar besonders darin bestehen, seine Macht, die Macht der Verwaltungsbürokraten, abzusichern. Nach dieser fristlosen Kündigung und dieser Behandlung von Journalisten läßt sich mit Sicherheit sagen: Auf ein solches Sellsches System kann verzichtet werden. Telebiss