„Rom ohne Papst“, Roman von Guido Morselli. Die Mappe mit vernichtenden Verlagsgutachten vor Augen, erschoß sich der 1912 geborene Autor dieses Zukunftsromans vor zehn Jahren in seiner lombardischen Großbürgervilla. „Licht am Ende des Tunnels“ (so der Titel eines weiteren seiner neun Romane) wurde es erst 1974, als der Mailänder Verlag Adelphi den zu Lebzeiten nie gedruckten Morselli vollmundig als „Musil Italiens zu propagieren begann und die fanta-storia eines „Rom vom Ende dieses Jahrhunderts veröffentlichte. Die Geschichte der Stadt, in welcher der Papst nicht mehr residiert, der sich statt dessen in einen Vorort verkrochen hat und sich wenig darum schert, daß „Engel und Heilige aus den Kirchen verbannt sind und man auch drauf und dran ist, die Madonnen in die Rumpelkammer abzuschieben“. Pater Walter, ein biedermännisch verehelichter Jesuit aus Einsiedeln, erzählt die pamphletistische Humoreske, in der auf dem Schreibtisch des Papstes das Photo einer Zen-Buddhistin steht, was nichts anderes heißt, als daß ein verwaschener religiöser Pluralismus an die Stelle der katholischen Lehre getreten ist, die sich höchstens noch als Theologie der Akkulturation und der Automation begreift. 1966 geschrieben, erscheint diese Groteske vom „Hotelstaat Italien“, in dem die Jesuiten eine Tradition haben, die Sozialisten links zu überholen, „denn Kirchen gab es ohnehin schon zu viele“, alles andere als veraltete Satire. Seine ehemals fiktiven Lehrstühle für Dialologie heißen zwar noch immer nicht so, aber sie schaukeln wacker im Zeichen scheinbarer Fortschrittlichkeit. (Aus dem Italienischen von Arianna Giachi; BS 750, Suhrkamp, Frankfurt, 1981; 205 S., 25,– DM.) Ute Stempel

„Schönheit war ihr Schicksal – Glanz und Elend der Covergirls“, von Bruno Bernard. Nach dem mißglückten Versuch, aus einem Playmate einen Filmstar zu machen, pflanzt der Autor „ein paar junge Fächerpalmen in meinen exotischen Garten“ und setzt sich an den Schreibtisch, „um die Schicksale der Schönheiten aufzuzeichnen, die mit meinem Leben verkettet waren“. Der Cover-Photograph nimmt den Karrierefehlschlag jedoch nicht zum Anlaß, von seinen Photosessions, von seiner Arbeit mit den Stars und Sternchen zu berichten; er plant Höheres: psychologische Porträts des Untergangs sollen es werden, denn schließlich hat der Mann – wie er durch reichliches und albernes Zitieren zu behaupten nicht müde wird – Freud gelesen und Adler, Schiller und Goethe, Ibsen und Dante. Das muß jetzt alles untergebracht werden. Außerdem hilft ihm die Einsicht, „das Weib ist die tödlichere Spezies der Gattung Mensch“, und das Vertrauen auf den gesunden Menschenverstand bei seiner Theoriebildung darüber, warum diesen Frauen „die Schönheit... zum Schicksal wurde“: bei Marilyn sieht er vor allem ihren krankhaften Ehrgeiz; Jayne Mansfield (die er zudem als Rabenmutter entlarvt) und Anita Ekberg waren, „wie so viele Frauen ihrer Art, der Begriffsverwechslung von Liebe und Sex erlegen“. Nur eine, Maria Brockerhoff, gefragtes Titelmodell aus den sechziger Jahren, ist zur guten Frau gereift: als liebende Ehefrau lebt sie heute in einem Traumhaus glücklich und zufrieden. Da freut sich der Autor und schließt „mit dem frommen Wunsch der Brüder Grimm...: und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“. (Universitas Verlag, München, 1981; 201 S., 34,– DM.)

Manuela Reichart

Stanley Elkin: „Himmel und Hölle – Auch eine Göttliche Komödie.“ Keine „göttliche“, sondern eine gottlose Komödie: Die dreistöckige mittelalterliche Mysterien-Bühne (Himmel, Erde, Hölle) gewinnt hier – in fürchterlicher, pietäts- und grenzenloser Heiterkeit – noch einmal „magische Gegenwart“, um in einem perfid inszenierten „Jüngsten Gericht“ endgültig zusammenzubrechen. Der Himmel ist bei dem Amerikaner Elkin ein „Vergnügungspark“, ein Super-Disneyland. Gott, ein eitler Scharlatan, hat einen Pfuscn von Schöpfung aus dem Nichts gestampft und schweigt im Beifall seiner Himmels-Clique: „Yeah, yeah, yeah, Jehoin!“ – In der Hölle rasen die Feuerstürme von Dresden und Hiroshima. Kein Teufel weit und breit – das Inferno funktioniert vollautomatisch. Das Fleisch „glühte und gloste zusammen mit den Knochen vor sich hin wie Phosphor Die Verdammten sind allein. Dafür schaut der Höchste (ist er der böse Demiurg der Gnosis?) bei Laune selbst mal unten vorbei. ,,,Hallo‘, sagte Gott. ‚Ich bin der Herr. Habt ihr es warm genug?“ Jesus aber, „Gottes Klon“, ist ein verhunztes Kunstprodukt, ferngezeugt in einer frigiden Retorte namens Jungfrau Maria“. „So etwas kommt in den Heiligsten Familien vor.“ Eine beklemmende Blasphemie, ein schwarzer theologischer Comic strip, der – auch in der Sprachqualität – an Pierre Klossowski erinnert. Die Sinnlosigkeit der Schöpfung offenbart sich ein letztes Mal in der Auferstehung des Jüngsten Gerichts: „Eine Frau, die ihre Augen hergegeben hatte, rührte mit ihren Fingern in ihren weinenden Augenhöhlen. ‚So grotesk‘, jammerte sie, ‚der Tod so grotesk wie das Leben. Alles, alles grotesk.“ (Rowohlt, Reinbek, 1981; 152 S., 25,– DM.) Hanns-Hermann Kersten