Die friedliche Halfmoon Bay und ihre scheuen Sonnenstrahlen versöhnen. Vergessen sind das frühe Aufstehen, um mit dem ersten Bus von Invercargill die Fähre in Bluff zu erreichen und auch die Überfahrt: Die Stürme in der Foveaux-Straße sind sprichwörtlich und lassen die „Wairua“ – einen alten Passagierfrachter – wie eine Nußschale auf den Wellen tanzen. Viele Passagiere suchen ihr Heil an der Reling. Ein wilder Regenschauer nach dem anderen zieht über uns hinweg. Die armen Tagesausflügler, die denselben Weg zurückmüssen.

Oban ist der einzige Ort auf Stewart Island, dem Inselvorposten vor Neuseelands Südspitze. Er lebt auf, wenn das Schiff anlegt: Hochbetrieb im einzigen Laden, im Sea-Hotel, im Museum, im Postamt. Auch die „Fishery“ öffnet Türen und Tiefkühltruhen für die Tagestouristen. Vom Fischfang leben schließlich die meisten der 450 Einwohner auf der Insel, dem nördlichsten besiedelten Punkt Neuseelands. Rakiura, „Land des glühenden Himmels“, tauften die Maoris einst die wilde Insel, als sie sich dort niederließen.

Ein tiefer Seufzer geht durch das Städtchen, wenn die „Wairua“ nach Bluff zurückfährt. Es wird ruhig, man ist wieder unter sich. Laden und Postamt schließen. Nur im „Office“ ist noch Leben. So nennen die Fischer das Sea-Hotel, wo sie dann wieder unter sich sind.

Derb und wortkarg sind sie, aber freundlich. Am Hafen will ich einen „blue cod“ kaufen. „I don’t sell fish today!“ Doch bevor ich mich enttäuscht umdrehe, landet schon ein prächtiger „cod“ auf der Pier – als Geschenk und als hoffentlich gutes Omen. Es war die erste Ausfahrt der „Mana BF 8“ im neuen Jahr gewesen.

Der „blue cod“ – blauer Kabeljau – schmeckt köstlich, gleiches gilt für den „crayfish“, der – in Art und Geschmack dem Hummer ähnlich – in großen Mengen exportiert wird.

In Oban beginnen mehrere kürzere „tracks“, rauhe Wanderpfade, die gut beschildert und befestigt sind, ob sie nun zu Ackers Point am Eingang zur Halfmoon Bay führen, zur malerischen Ringaringa-Beach, zur einsamen Deep Bay oder zu Richard’s Point. Dort schützen buschige Bäume die Gräber der Familie Wöhlers, die im vergangenen Jahrhundert aus Norddeutschland kam, um die Maoris zu christianisieren.

Die Horseshoe Bay, drei Kilometer von Oban entfernt, ist Ausgangspunkt für längere Touren. Wir wollen den „Northern Circuit“ wagen. Die Tour bedarf wie alle Wanderungen durch die Insel-Wildnis sorgfältiger Vorbereitung. Wir müssen alles mitnehmen, was wir unterwegs benötigen in der Einsamkeit.