Ganz unbeachtet von der deutschen Öffentlichkeit wagte sich diesen Monat mal wieder ein deutscher Einzelhändler auf den ebenso attraktiven wie schwierigen US-Markt. Jörn M. Kreke, Chef des Fachhandelskonglomerats Hussel in Hagen, eröffnete in Stamford in Connecticut eine Douglas-Parfümerie. Die Reaktion vor Ort war allerdings beträchtlich. „In Fach- und Frauenzeitschriften“, so Kreke, „hatten wir viel Publizität“. Kein Wunder, denn am US-Markt ist das Parfümerie-Fachgeschäft eine Neuheit.

Die Amerikanerin pflegt sich an den Ständen der Kosmetikfirmen in den Warenhäusern mit Wässern und Tinkturen, Cremes und Puder einzudecken. Die Douglas-Parfümerie bietet deshalb mehr als Kosmetik. Kreke: „Wir bieten die gesamte Palette europäischer Accessoires, wie Haarschmuck, Bademäntel, Gürtel und Taschen.“ Aber er weiß auch: „Das Verbraucherverhalten muß sich ändern.“ So beschreibt Kreke seinen Sprung über den großen Teich denn auch eher zurückhaltend: „Wir wollen das mal versuchen, wir sehen das ohne Euphorie.“

Die Vorsicht resultiert allerdings aus bitterer Erfahrung. Schon Mitte der siebziger Jahre hatte Kreke einen Ausflug in die neue Welt gewagt und sich bei einem Großhändler in Salt Lake City engagiert – allzu sorglos, wie sich bald herausstellte. Das Unterfangen scheiterte, und die Hussel-Gruppe hatte über fünfzehn Millionen Mark zu verschmerzen.

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Was schon 1976 fertig sein sollte, wird nun frühestens in drei Jahren in Betrieb gehen und statt ursprünglich veranschlagter 690 Millionen Mark mindestens 3,7 Milliarden Mark kosten. Es geht um den Hochtemperaturreaktor, der in der Nähe von Hamm gebaut wird und durch die Weigerung von Bundesforschungsminister Andreas von Bülow, weitere Bundesmittel für den Bau freizugeben, zu einer Investitionsruine zu werden droht.

Dabei ist durchaus zu begreifen, daß dem Minister angesichts leerer Kassen der Kragen platzte, als der 1981 mit drei Milliarden Mark angegebene Finanzierungsbedarf in diesem Jahr um weitere 700 Millionen Mark kletterte. Der Reaktortyp, der vor allem Prozeßwärme liefern soll, schien sich zum Faß ohne Boden zu entwickeln.

Die Elektrizitätsunternehmen, die den Reaktorbau betreiben, und das von BBC geführte Herstellerkonsortium weisen freilich jede Schuld von sich. Für sie sind allein die durch die Dauer des Genehmigungsverfahrens eingetretene Verzögerung und die zusätzlichen Auflagen Ursache der Kostenexplosion.