Aufstand der Verkäufer: Abschreiber-Star Amann baut ab

Von Heinz Blüthmann und Wolfgang Gehrmann

Spitze war er schon immer. Wenn Manfred Ommer bei Meisterschaften die hundert Meter über die Startbahn heute, sahen die Konkurrenten nur seinen Rücken. An sehr guten Tagen blieb die Stoppuhr schon mal bei zehn Komma null Sekunden stehen – Europarekord.

Top war der Student der Jurisprudenz auch später, im Geschäft mit dem schnellen Geld. Blieb das Jahreseinkommen unter einer Million, hatte der Champion eine schlechte Saison gehabt. Standesgemäß nennt der 31jährige heute einen Bungalow auf den Bermudas, etliche Immobilien im Rheinischen, reichlich Bares und ein PS-starkes Bitter-Coupé sein eigen. Häufig gehörter Spruch des kaum dem Twen-Alter Entwachsenen: „Die Rente hab’ ich schon durch.“

Die Branche, die sich dem fixen Mann als so ergiebig erwiesen hat, ist das Abschreibungsgeschäft. Ommers Provisionen aus dem Verkauf steuerbegünstigter Kapitalanlagen kamen – fast – immer von einer Adresse: der Dr.-Amann-Gruppe in Köln. Auf vorzeigbare Erfolgstrophäen mußte der medaillengewohnte Sportler auch dort nicht verzichten. Für die stolze Jahresleistung von über zehn Millionen Mark verkaufter Anlagen heimste er viermal den Dr.-Amann-Oskar ein – ein nicht zu klein geratenes Platin-Gold-Geschmeide von anfechtbarer Ästhetik, aber zweifelsfreiem Materialwert.

Doch für Amann macht Ommer künftig keinen Umsatz mehr. Der Schnellstarter ist bei dem Steuerdoktor ausgestiegen, weil er Amanns Unternehmen keine Chance mehr gibt.

Ommers Bahnwechsel fällt zusammen mit Gerüchten, die von einer drohenden Einsturzgefahr der Amann-Gruppe wissen wollen. Erst kürzlich hat Amann diese Parolen so ernstgenommen, daß er sie dementieren ließ.