Verbrechersyndikate kontrollieren das Nachtleben, die Diebstähle nehmen zu: Pattaya, Ferienort am Golf von Siam, droht zu einem touristischen Slum zu werden.

Pattaya, Thailands renommierter Badeort, war vor 15 Jahren noch ein verträumtes Fischerdorf mit einsamen Palmenbuchten. Heute steigen in 13 internationalen Hotels jährlich mehr als 500 000 Touristen ab.

Das Dorf mußte einer Stadt aus der Retorte weichen, in der jeder dritte vom Tourismus lebt. Die Fischer sind heute Kellner und ihre Töchter Hostessen in einer der aberhundert Bars und Nachtklubs. Die Bevölkerung von Pattaya besteht im wesentlichen aus Ortsfremden, die aus den ärmeren Regionen Thailands zugezogen sind und nach dem schnellen Dollar fischen.

Pattayas Attraktionen seien längst nicht mehr der Sandstrand und das Meer, so behaupten führende Hoteliers, sondern ein Heer von liebesdienernden Mädchen, die von skrupellosen Zuhältern auf die überwiegend alleinreisenden Manner angesetzt werden. In den Polizeistatistiken taucht Pattaya als eines der notorischsten Drogenzentren von Südostasien auf. Verbrechersyndikate, die sich auf das Ausrauben von Touristen spezialisiert haben, kontrollieren das Nachtleben. Immer häufiger werden Urlauber am lichten Tag von Jugendbanden gestellt. Die Zahl der Diebstähle in den Hotels steigt. Nirgendwo in Thailand findet sich der Tourist mit ähnlicher Hartnäckigkeit von Souvenirhändlern bedrängt, die miteinander in einem rücksichtslosen Wettbewerb liegen.

Die lokale Kultur ist mit Amerikanismen überfremdet, und in der Sozialstruktur vertieft sich die Kluft zwischen arm und reich. Wer nicht in der Tourismusindustrie beschäftigt ist – 63 Prozent der Region sind als landwirtschaftliche Zone ausgewiesen – kann sich gegenüber den steigenden Lebensunterhaltskosten kaum noch behaupten.

Planungsexperten der PATA, der Pacific Asia Travel Association, die in diesem Frühjahr in Pattaya tagten, kritisierten, der Ort habe sich nicht als harmonisches Ganzes entwickelt, sondern als eine für Thailand unspezifische Subkultur, die langfristig nicht von Bestand sei. Alan Wade, der General Manager des „Pattaya Merlin Hotels“, sieht die Ferienanlage bereits im Zustand des fortgeschrittenen Verfalls, bevor sie sich überhaupt konsolidieren konnte.

In jüngster Zeit haben die Buchungen mit der Expansion des Orts nicht Schritt gehalten. In der Tourismusindustrie von Pattaya wütet ein erbitterter Discount-Krieg, der die wirtschaftliche Stabilität unterhöhlt. Die Hotels gewähren Zimmerrabatte bis zu 60 Prozent. Pattaya läuft Gefahr, zu einem touristischen Slum zu werden.

Jürgen Dauth