Die kleine Nina von Gallwitz ist frei. Das glückliche Ende dieser barbarischen Kindesentführung war nur möglich, weil zwei Vermittler, abseits der Legalität, geholfen haben, das acht Jahre alte Mädchen aus der Gewalt der Kidnapper zu befreien. Einer von ihnen hatte einschlägige Erfahrung. Der Journalist Franz Tartarotti spielte bereits bei der Freilassung der entführten Töchter und des Neffen von Dieter Kronzucker eine Rolle.

Nach den Buchstaben des Gesetzes mögen die beiden Helfer sich der Beihilfe und Begünstigung eines Verbrechens schuldig gemacht haben. Aber war es etwa nicht gerechtfertigt, in der grauen Zone, wo Recht und Unrecht ineinanderfließen, zu agieren, um das Leben des Mädchens zu retten? Und war es nicht auch richtig, daß der Staat so maßvoll und zurückhaltend reagierte? Daß er auf seine Machtmittel zeitweise verzichtete, auf Fahndung und Strafverfolgung?

Die Obrigkeit hat durch ihre Zurückhaltung das Leben einer kleinen Bürgerin gerettet. Wer nun darob schilt und fürchtet, solche staatliche Enthaltsamkeit ermutige potentielle Kidnapper, müßte dann auch bereit sein, das Leben der Entführten aufs Spiel zu setzen. Dies kann keiner wollen. Denn Leben zu erhalten, hat allemal Vorrang.

v. k.