Das neue Seerecht kann für die Bundesrepublik schwerwiegende Folgen haben

Von Wolfgang W. Schöhl

Die Bundesrepublik ist, pro Kopf ihrer Bevölkerung, einer der größten Verlierer.“ So faßte ein resignierter Teilnehmer der zunächst letzten Session der UN-Seerechtskonferenz das Ergebnis aus deutscher Sicht zusammen.

In der Bundesrepublik sind die Verhandlungen, die endlosen Debatten und zahllosen Papiere der Seerechtskonferenz nur mit geringer Aufmerksamkeit betrachtet worden. „Schade um die kanadischen Wälder, die für so viel Papier gefällt werden mußten“, stöhnten Teilnehmer, die sich in den letzten acht Jahren durch den Wust von Entwürfen arbeiten mußten. Aber im schier endlosen Paragraphendschungel verbarg sich mehr als nur die Regelung von Durchfahrtsrechten für Meerengen oder das Abstecken von 12-Seemeilen-Hoheitsgewässern entlang den Küsten.

„Seerechtskonferenz“ war der unscheinbare und irreführende Titel für ein wirtschaftspolitisches Ereignis von gar nicht abzuschätzender Bedeutung: nämlich die größte Umverteilung des Globus seit Menschengedenken. „Die Eroberungskriege von den Persern bis zu den letzten Zaren waren nichts gegen das, was hier durch zähe Verhandlungen an weltpolitischer Machtverschiebung geschah“, so könnte es im Jahre 2000 in Büchern zur Zeitgeschichte heißen, wenn all das in die Wirklichkeit umgesetzt wird, was jetzt mit Abschluß der Seerechtskonferenz festgeschrieben worden ist.

Denn wenn die Konvention ratifiziert wird, können sich die Küstenstaaten etwa vierzig Prozent der Meeresfläche zur ausschließlichen wirtschaftlichen Nutzung aneignen. Das entspräche der gesamten Landfläche des Globus. In den nationalisierten Küstenzonen befanden sich etwa neunzig Prozent der Fischbestände der Welt; außerdem nahezu die gesamten abbaubaren maritimen Erdöl- und Erdgasreserven.

Unermeßlicher Reichtum