Der Frankfurter Allgemeinen war es vorbehalten, das voreingenommenste Argument zum Streit um die Preise, die Union und Friedensbewegung für die Sonderzüge zu ihren Reagan-Demonstrationen in Bonn zahlen sollten, beizusteuern. „Auch wurde berücksichtigt“, so schrieb sie, „daß bürgerliche Elemente weniger Mühsal bereiten könnten als Berufsdemonstranten.“

Vom Stammtisch der Vorurteile hatten, schon zwei CSU-Abgeordnete gezehrt. Vor der Kundgebung am 10. Oktober letzten Jahres steuerten sie diese Meinung bei: Was sich so alles in Eisenbahnwaggons auf den Weg mache ... das seien möglicherweise Vandalen.

Zu ärgerlich nur, daß sich die 300 000 vermeintlichen Chaoten dann geradezu vorbildlich verhielten und dieserhalb von Polizei, Bonner Kommunalpolitikern und anderen hohes Lob einheimsten.

Davon haben sich freilich jene offenkundig nicht beeindrucken lassen, die jetzt das beschämende Trauerspiel vor der neuen Demonstration der Friedensbewegung am 10. Juni zum Nato-Gipfel inszeniert haben. Schon das erste Argument der Bundesbahn, man habe sich weiland im Oktober mit den Fahrpreisen verkalkuliert, weshalb man sie jetzt heraufsetzen müsse (und zwar oft um das Dreifache und mehr), spricht nicht sehr für die ökonomischen Fähigkeiten des Managements des Staatsunternehmens.

Auch der nachgeschobene Hinweis, am Fronleichnamstag, dem 10. Juni, mit seinem ohnehin starken Reiseverkehr sei jede zusätzliche Belastung um so belastender, wirkt hervorgeholt. Denn wenn die Bahn an diesem Tag voll in Betrieb sein muß, dann könnten doch, so heißt es in Bonn, weitere Züge gar nicht so teuer sein wie ursprünglich berechnet. Das müßte dann bei den anfangs so sehr viel billigeren CDU-Zügen der Fall sein, die am 5. Juni fahren – an einem Samstag, an dem der normale Bahnverkehr stets reduziert ist.

Erst nachdem die Sache in der Öffentlichkeit wachsendes Aufsehen hervorgerufen und Erhard Mahne, der Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium, beim Bundesbahnmanagement interveniert hatte, sind die Fahrpreise für CDU und Friedensbewegung so ziemlich angeglichen worden. In den oberen Etagen des Ministeriums war man denn auch erschrocken, welchen politischen Flurschaden einige Tarifbeamte der Bundesbahn mit mangelndem Fingerspitzengefühl oder aus Dummheit oder, wie manche sogar meinen, mit voller Absicht anzurichten im Begriffe waren.

Einiger Flurschaden ist ohnehin schon entstanden. Gerangel gab es ja bereits um den Bonner Demonstrationsort für die Friedensbewegung. Und wahrscheinlich wird, wie schon nach der Oktober-Kundgebung, abermals als Kritik auftauchen, daß die niedrigen, vielleicht wieder nicht kostendeckenden Fahrpreise bei der Bundesbahn zu Lasten des Staates, also der Steuerzahler gingen.