Der ungewöhnlich schleppende Absatz der neuen 8 1/2 prozentigen Bundesanleihe, deren Rendite sich bei zehnjähriger Laufzeit und einem Ausgabekurs von 99 1/2 Prozent auf nur noch 8,58 Prozent stellt, macht deutlich, daß der Prozeß der Zinssenkung allmählich zum Stillstand zu kommen scheint. Ohne klare und nachhaltige Zinssenkungssignale aus der Wallstreet wird es mit den Zinsen in der Bundesrepublik kaum noch abwärts gehen können. Die ausländischen Kreditnehmer stehen bei den deutschen Banken Schlange, um von ihnen (und dem deutschen Kapitalmarkt) preiswert Geld zu bekommen; auf der anderen Seite nutzen immer mehr deutsche Anleger die hohen Dollar-Zinsen.

Da positive Anregungen von der Zinsseite ausbleiben, ist der Aktienmarkt mehr denn je auf Konjunkturhoffnungen angewiesen. Und gerade sie beginnen unter dem Eindruck zahlreicher enttäuschender Unternehmensnachrichten wieder zu sinken. Die Kurse der Großchemie-Aktien erhielten einen Stoß, als bekannt wurde, daß der BASF-Gewinn im I. Quartal (verglichen mit dem Vorjahreszeitraum) stark rückläufig war. Dividendenkürzungen bei Horten, BBC und Varta waren für die meisten Börsianer Überraschungen. Gewaltig verstimmt hat ferner, daß bei Kali + Salz in den ersten drei Monaten dieses Jahres das Ergebnis um zwei Drittel schlechter war als im I. Quartal 1981, so daß der Ertrag sich in diesem Jahr zu halbieren droht.

Trotz der Dividendenkürzung bei BMW – sie wird allerdings durch ein kulantes Bezugsrecht versüßt – hat sich die Tendenz der Autoaktien verbessert. VW-Aktien steuerten sogar einen neuen Jahreshöchstkurs an. Hier soll ein größerer Kaufauftrag aus dem Ausland vorgelegen haben. Bei Hoechst scheint sich jetzt der Verdacht zu bestätigen, daß Kuwait in den zurückliegenden Monaten eine Beteiligung von 25 Prozent des Kapitals zusammengekauft hat. Bemerkenswert an der Transaktion ist, daß sie den Kurs der Hoechst-Aktien nicht nennenswert beeinflußt hat. Es wird vermutet, daß besonders die deutschen Aktienfonds die Gelegenheit genutzt haben, sich von größeren Posten zu entlasten. Solange der Schrumpfungsprozeß bei den deutschen Aktienfonds anhält, werden ihre Verkäufe immer wieder den Markt belasten. Denn nicht überall lassen sich angebotene Aktien so reibungslos plazieren wie bisher bei Hoechst.

Optimisten hoffen jetzt darauf, daß die in den kommenden Wochen auszuschüttenden Dividenden – es handelt sich dabei um mehr als zwei Milliarden Mark – wenigstens zum Teil in die Aktien zurückfließen und damit die „technische Verfassung der Börse“ verbessern, wenn schon von der Konjunkturentwicklung vorerst nicht viel Positives zu erwarten ist. Davon könnten dann vor allem die Bank-Aktien profitieren, da sich ihre Ertragslage deutlich verbessert hat. K. W.