Immerhin haben das Bild eines armen, einsamen Akif und eine Reihe fast gleichlautender lobhudelnder Rezensionen, die sein Freund, Berater und Manager Rolf Degen, ein .Wissenschaftsjournalist, in Regionalzeitungen und Szeneblättern unterbringen konnte, ihre Wirkung gezeitigt: 2000 Fans haben ihm geschrieben, geantwortet hat er keinem ("ich bin doch kein Doktor"); eine Frauenkommune aus Nürnberg hat ihm zehn Mark zum Versaufen geschickt und ihn eingeladen – das Geld hat er eingesteckt, an einen Besuch denkt er nicht; und vergeblich hat ihn auch eine Schulklasse aus der Nähe von Hamburg eingeladen: "Da fahre ich nicht hin, was soll ich da diskutieren mit denen?"

Daß er in seinem Roman, gleich im zweiten Absatz, eine überfüllte Diskothek mit dem Konzentrationslager Dachau vergleicht und auch später mehrfach Parallelen zu Auschwitz, Stalingrad und Bombenteppichen zieht, um sein Liebesleid mit Christa zu illustrieren, hat bisher weder der Verlag noch einer seiner euphorischen Rezensenten für anstößig befunden; und er selbst steht unerschütterlich zu solchen Vergleichen: "Warum darf man eine Disko nicht mit Dachau vergleieben?"

"So viel Realitätsferne wie bei dem Akif gibt es selten", meint man im Goldmann-Verlag, "aber immerhin hat er damit unheimlich viel erreicht." Trotzdem befällt einzelne mittlerweile ein "schlechtes Gewissen", wenn sie an ihren Autor Pirinçci denken und sehen, wie der durch ein zu großes Entgegenkommen des Verlages ("der Vertrag mit ihm ist der unsinnigste, den wir je geboren haben") und eine völlig unkritische Resonanz der Öffentlichkeit "systematisch kaputtgemacht wird".