Park Schönbrunn 1950.

Auf zwei Banken mit drei katholischen Lehrern meines Alters,

Daß wir Juden ihn umgebracht hätten“, sprach ich, „ist reine Ausrede für euren Judenhaß, Was ihr uns niemals vergessen könnt, ist umgekehrt, daß wir ihn euch gebracht haben,“ Sie blickten mich an wie einen Irren.

Jawohl, Daß es einen jüdischen Mann namens Jesus gegeben hat, der, aller unserer menschlichen Natur zuwider, Liebe und Vergeben gelehrt hat. Den Vergeber könnt ihr uns nicht vergeben. Nicht, daß ihr durch ‚uns‘ seiner beraubt worden seid, tragt ihr uns nach, sondern daß er von uns zu euch gekommen war. Hitler hat das sehr genau gewußt und auf diesen euren Haß auf Jesus spekuliert. In jedem Juden, den ihr erschlagt, erschlagt ihr ihn. Nicht deshalb, weil wir nicht ‚euereins‘ sind, seid ihr uns gram. Sondern deshalb, weil ihr fürchtet, durch ihn irgendwie ‚unsereins‘ geworden zu sein oder werden zu können. Euer Christlichsein oder – seinmüssen empfindet ihr nicht nur als unerträglich, sondern als unverzeihlich, als etwas, das Rache erfordert. Aus diesem Grund habt ihr seit zweitausend Jahren Millionen von uns ans Kreuz geschlagen. Und oft sogar angeblich im Namen des Gekreuzigten.“

Nach diesen meinen Worten blieben zwei von ihnen stumm, weil sie diese Wahrheit nicht wahrhaben durften, also aus zusätzlicher Feindseligkeit. Der Dritte aber war mutiger und spie mir ins Gesicht.