Beachtlich

„Tina Modotti“ von Marie Bardischewski und Ursula Jeshel ist das liebevolle Porträt einer lange vergessenen Künstlerin und Revolutionärin. In den zwanziger Jahren lebte und photographierte Tina Modotti, die gebürtige Italienerin, die 1913 in die Vereinigten Staaten emigriert war, in Mexiko. Ihre Motive waren vor allem die Arbeiter im damals revolutionären Land. Ihr künstlerisches Engagement, das immer auch ein politisches war, gibt sie schließlich auf, tritt in die Kommunistische Partei ein und führt ein ruheloses Leben. Berlin, Polen, Moskau, Spanien sind ihre Stationen. Im Spanischen Bürgerkrieg arbeitet sie in einem Krankenhaus in Madrid. 1939 kehrt sie nach Mexico City zurück. Dort stirbt sie, 46 Jahre alt. Die Filmemacherinnen – Ursula Jeshel arbeitete als Regieassistentin mit Hans Noever und Erwin Keusch; Marie Bardischewski spielte in Filmen von Wim Wenders, Harun Farocki, Ingemo Engström – zeichnen in vielen Interviews mit Menschen, die Tina Modotti einst nahestanden oder ihr begegnet waren, das Bild einer außergewöhnlichen Frau. Ihre starke Persönlichkeit fand ebenso Bewunderung wie ihre Schönheit, die auf einem Photo, das man zu Beginn und am Ende des Films sieht, fast weltfern wirkt. Das Gesicht erzählt nichts von der Kraft, die Tina Modotti besaß. Die Aussagen über die Künstlerin, die erhellend sind, doch vermutlich ihr Wesen bis in die Tiefe nicht zu erfassen vermögen, weil es sich einer Festlegung entzog – sie war nicht nur Künstlerin und Revolutionärin, auch femme fatale, sie war zurückhaltend und schweigsam, aber auch stolz und selbstbewußt werden ergänzt durch Zeitdokumente von ihren Stationen: dem Berlin der zwanziger Jahre mit seinem Glamour und seinem Elend, Los Angeles, Mexico City. Daß es einen Stillstand für Tina Modotti nicht gab, kaum ein Innehalten in ihrem politischen Engagement verdeutlichen die Filmemacherinnen durch eingefügte Sequenzen von endlosen Schienensträngen und fahrenden Zügen. Nach diesem Film ist man neugierig auf Tina Modottis Photos. (In Kommunalen und Programm-Kinos)

Anne Frederiksen

Annehmbar

„Mrs. Brisby und das Geheimnis von Nimh“ von Don Bluth, dem ehemaligen Chef-Animator des Walt-Disney-Studios, der 1979 das Vergnügungs-Imperium in Burbank verließ, weil er die Nachfolger des Meisters das heilige Erbe verschleudern sah. In seiner ersten eigenständigen Arbeit, an der fünfzig Zeichner drei Jahre lang tüftelten, erzählt Bluth eine Geschichte von Mäusen (vielen) und Menschen (wenigen): wie die tapfere kleine Feldmaus Mrs. Brisby mit der Hilfe einer komischen Krähe namens Jeremy und der aus einem Versuchslabor entwichenen superintelligenten Ratten von Nimh ihr schmuckes Eigenheim unter dem Acker von Farmer Fitzgibbons rettet. Die Animationstechnik orientiert sich deutlich am klassischen Disney-Stil, auf den sich Bluth mit liebevoller Sorgfalt versteht. Neben wunderschönen „Fantasia“-Effekten und witzigen Tierfiguren kommen allerdings auch jene groben Süßlichkeiten vor, die das Vergnügen (wenigstens für erwachsene Zuschauer) bisweilen mindern. Kinder scheinen von diesem Film begeistert zu sein.

Hans-Christoph Blumenberg

Erstaunlich