Ein Spekulant versucht aus der Pelikan-Pleite Kapital zu schlagen

Von Heinz Blüthmann

Bei Robert Lembkes TV-Quiz "Heiteres Beruferaten" hätte er gute Aussichten, die Frager erfolgreich irrezuführen. Wie ein Finanzjongleur und Spekulant sieht er wirklich nicht aus; in Sprache, Kleidung und Auftreten ähnelt er eher dem Leiter eines ländlichen Gartenbaubetriebes: Der vielfache Millionär und Bauunternehmer Wilhelm Kuhn aus Wedel im Westen Hamburgs wird auf den ersten Blick meist weit unter Wert taxiert – und das ist eine seiner Stärken. So hat er in den vergangenen zwanzig Jahren schon viele Geschäftspartner aufs Kreuz gelegt. Bei seinem jüngsten Deal freilich hat er sich selbst verschätzt.

Der Brocken, nach dem der 49jährige Kuhrt vor wenigen Wochen seine Hände ausstreckte, ist größer als alles, was er bisher anfaßte. Ging es ihm sonst nur um Grundstücke und Bauaufträge, hatte er jetzt eine ganze Unternehmensgruppe mit Weltgeltung und Milliarden-Umsatz im Visier: den Büroartikel-Konzern Pelikan mit knapp zehntausend Beschäftigten.

Doch Pelikan ist in keiner beneidenswerten Lage – nur deshalb hatte Kuhrt überhaupt eine Chance. Als der von Grundig kommende neue Vorstandsvorsitzende Kurt W. Hackel vor fünf Monaten seinen Job in der Hannoverschen Zentrale antrat, mußte er binnen kurzem konstatieren, daß Pelikan völlig heruntergewirtschaftet und zahlungsunfähig war. Hackel stellte einen neuen deutschen Rekord auf und meldete bereits am vierten Tag nach seinem Amtsantritt für Pelikan Vergleich an.

Seit März wird saniert

Wie sich später herausstellte, hatte der zu den größten Büromittelherstellern der Welt zählende Pelikan-Konzern 1981 nicht weniger als 240 Millionen Mark Verlust erlitten, vor allem durch die in Hamburg ansässige Büromaschinen-Tochter Pelikan Informationstechnik, die einen wenig erfolgreichen, aber überaus kostspieligen Ausflug in das "elektronische Büro der Zukunft" ebenfalls im Februar mit dem Konkurs bezahlte.