In der vorigen Woche ist 79jährig der große Erzieher und Freund Deutschlands, der Engländer Robert Birley, gestorben. Unter seiner Obhut sind nach 1945 die deutsch-englischen Beziehungen neu gestaltet worden. Er war der Erfinder und Protektor der Deutsch-Englischen Gespräche in Königswinter. Als er 1947 – noch unter dem Gebot von „No fraternization“ – Berater der britischen Militärregierung in Erziehungsfragen wurde, war seine Devise nicht re-education im Sinne von Befehlen, sondern ein permanenter Appell an das Verantwortungsgefühl der Deutschen Seine Gewohnheit, die Erziehungsminister der Länder regelmäßig in seine Berliner Residenz zu Besprechungen mit anschließendem Theaterbesuch einzuladen, hat den Grundstein zu den heutigen Kultusminister-Konferenzen gelegt.

Mut und Hingabe zeichneten ihn aus, Liberalität und Humanität waren seine Partner. Sein Leben lang hatte er sich den öffentlichen Dingen verschrieben: als Headmaster von Eton, als Professor der Universität von London und als Gastprofessor in Südafrika. Die Herausforderung der drei südafrikanischen Jahre – er war damals schon über 60 – verlangten den vollen Einsatz und waren ihm darum offenbar die wichtigsten seines Lebens. Nie wurde er müde, davon zu erzählen. Bis in sein hohes Alter pflegte er unter Freunden und Bekannten, Hilfe für Verfolgte und Gebannte zu mobilisieren. Noch heute findet man in Südafrika Weiße, deren Vorstellungen und Maßstäbe von Birley geprägt wurden, und Schwarze, für die seine Ideale Hoffnung und Rettungsanker bedeuten.

Es war ein reiches, sinnerfülltes Leben, das Robert Birley geführt hat – viele, auch in unserem Lande, denken mit Dank und Bewunderung an ihn. Dff.