Annehmbar

„Fürchte dich nicht, Jakob“ von Radu Gabrea, einem rumänischen Regisseur, der seit 1974 in der Bundesrepublik lebt und viele Jahre auf die Realisierung dieses Projektes warten mußte. Eine einfache Geschichte: Irgendwo im Süden Europas kämpft ein den russischen Pogromen entronnener Jude gegen die Vorurteile und den Haß der Einheimischen. So vage die Orts- und Zeitangaben (Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts) auch sind, so eindringlich stellt Gabrea ein Klima der Angst, der Verfolgung, des latenten Wahnsinns her. „Fürchte dich nicht, Jakob“ ist eine Parabel über den Fremdenhaß (das „Ausländerproblem“) zu allen Zeiten, in einem archaisierenden Holzschnittstil Photographien von Igor Luther („Die Blechtrommel“), erfreulich diskret dargestellt von dem sonst so eitlen André Heller. Dem Regisseur gelingen viele Bilder von einer dunklen Magie, aber am Ende wirkt die pathetische Naivität der Fabel doch ein wenig ermüdend. Immerhin ein optimistischer Film: In der Osternacht wagt der kleine Jude den Kampf mit dem schlimmsten seiner Peiniger. Und gewinnt. Fürs erste.

Hans-Christoph Blumenberg

Mittelmäßig

„Ein pikantes Geschenk“ von Michel Lang. Film sei die Kunst, mit hübschen Mädchen hübsche Sachen anzustellen, soll François Truffaut gesagt haben. Clio Goldsmith ist ein hübsches Mädchen, Michel Lang ist ein Experte für den gehobenen Boulevard („Her mit den kleinen Engländerinnen“, „Das Strandhotel“), und wenn es im Fernsehen wieder nur den „Rätselflug“ gibt, könnte man einen verregneten Sommerabend schlechter totschlagen als mit diesem Film. „Le Cadeau“ handelt von den venezianischen Irrungen und Wirrungen eines ältlichen Pariser Bankangestellten (Pierre Mondy), dem seine Kollegen zur Pensionierung ein paar Tage mit einem freundlichen Callgirl (eben jener Clio Goldsmith) schenken: eine Männerphantasie. Nur erfährt der Beschenkte nie, in welchem Gewerbe seine frische Gefährtin wirkt, entwickelt aber schließlich einen neuen Appetit auf seine Ehefrau (Claudia Cardinale, viel zu schön für die Hausmütterchenrolle). Wenn das alles etwas öde klingt, liegt das an den Gesetzen des Boulevards: Seine weltmännisch verkleidete Turbulenz führt allemal in die Tristesse des kleinbürgerlichen Schrebergartens.

Hans-Christoph Blumenberg

Empfehlenswerte Filme

„Domino“ von Thomas Brasch. „Melvin und Howard“ von Jonathan Demme. „Etwas wird sichtbar“ von Harun Farocki. „Yojimbo – Der Leibwächter“ von Akira Kurosawa. „Der Feind“ von Zell Akten und Yilmaz Güney. „Die Frau des Fliegers“ von Eric Rohmer. „Drei Brüder“ von Francesco Rosi „Reisender Krieger“ von Christian Schocher. „Gallipoli“ von Peter Weir.