Daß ein Mitglied, zumal ein Mitglied des Zentralkomitees einer kommunistischen Partei ein Kommunist ist und als solcher bezeichnet werden darf, wer wollte es bestreiten. Ist dann nicht aber auch ein Mitglied einer antisemitischen Partei, zumal wenn er seine Partei im Parlament vertritt, in ihrem Namen elf Jahre als Landrat gewirkt hat, Führer ihrer Jugendorganisation und ihrer Saalschutzeinheiten ist, ist so ein Mann nicht ein Antisemit und darf als solcher bezeichnet werden?

Ende Mai wurde die Wanderausstellung Juden in Preußen“, die zuvor in Berlin und Bonn gezeigt worden war, in Hamburg in einer zensierten Fassung eröffnet. Der Text der Tafel 63, die prominente Vertreter des Antisemitismus in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren zeigt, mußte auf persönliche Intervention des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Professor Werner Knopp, an der Stelle unleserlich gemacht werden, an der erläutert wird, daß der am Rednerpult stehende Herr in SA-ähnlicher Uniform ein Mann namens Herbert von Bismarck sei, Reichsjugendführer der Deutschnationalen Volkspartei.

Herbert von Bismarck, Großneffe des Reichskanzlers, geboren 1884 in Stettin, gestorben 1955 in Wiesbaden, wurde zu Beginn der Weimarer Republik Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei. In deren Programm hieß es unter anderem:

„Wir wenden uns nachdrücklich gegen die seit der Revolution (von 1918) immer verhängnisvoller hervortretende Vorherrschaft des Judentums in Regierung und Öffentlichkeit“ – und weiter: „Wir wenden uns gegen jeden zersetzenden undeutschen Geist, mag er von jüdischen oder anderen Kreisen ausgehen“

Dieses 1920 verfaßte Parteiprogramm wurde im Laufe der Zeit nicht gemildert. Im Gegenteil. Jochanaan Samuel, bis 1938 Leiter einer jüdischen Jugendorganisation in Berlin, beschreibt der Antisemitismus der Deutschnationalen in den Jahren 1929 bis 1933, verglichen mit dem der Nazis, als massiver und aggressiver.

Genau in dieser Zeit (1931) übernahm der 47jährige Herbert von Bismarck das Amt des Reichsjugendfihrers der Bismarckjugend und wurde gleichzeitig Führer der Deutschnationalen Kampfringe, einer Mini-SA. Am 1. Februar 1933 wurde er darüber hinaus Staatssekretär im preußischen Innenministerium.

Er zeigte sich als konsequenter Vollstrecker der programmatischen Ankündigungen der DNVP. Ein Beispiel: Juden war nach 1918 ermöglicht worden, ihre zum Teil aus dem Hebräischen stammenden, zum Teil um 1800 in diffamierender Absicht von deutschen oder österreichischen Beamten zudiktierten Namen den in Deutschland üblichen anzupassen. Dies war ein wichtiger Beitrag zur Integration.