Nachdem Manfred Hagenkötter, Leiter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung (BAU), wegen seines Büro-Luxus vorläufig vom Dienst suspendiert wurde, hat der Bonner Ministerialrat Wolfram Jeiter die kommissarische Leitung der Anstalt übernommen. Bei der Gelegenheit wird Jeiter, der aus dem Arbeitsministerium kommt, gleich an Ort und Stelle nachprüfen können, ob Hagenkötter sich nicht auch noch andere Verfehlungen hat zuschulden kommen lassen. Der Münchener Diplom-Ingenieur Friedrich Lauerer behauptet das nämlich und hat es Arbeitsminister Heinz Westphal auch schon wissen lassen.

Lauerer: „Mit der gleichen Großzügigkeit mit der Gelder für überflüssigen Luxus verschwendet werden, werden viel höhere Beträge für die Produktion von Scheinwissenschaft verschleudert, bei gleichzeitiger Unterschlagung von anerkannter aber unbequemer Wissenschaft.“

Über die Qualität der Anstalt hat Lauerer wenig Schmeichelhaftes herausgefunden: „Während das Vorläuferinstitut der BAU, nämlich das Bundesinstitut für Arbeitsschutz in Koblenz, in nur zwei Jahren – 1970 und 1971 – mit nur 50 Mitarbeitern bei einem Gesamtkostenaufwand von rund vier Millionen Mark sieben Forschungsberichte selbst erstellt hat, konnte die BAU in zehn Jahren mit über 150 Mitarbeitern bei einem Gesamtkostenaufwand von rund 300 Millionen Mark nur 25 Berichte selbst zustande bringen.“ Das wäre nun auch ein Fall für den Präsidenten des Bundesrechnungshofes, Karl Wittrock.

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Das Gutachten des renommierten Kieler Geologen Klaus Duphorn über den Gorlebener Salzstock und seine Eignung als Atommüll-Endlager bringt nun auch Forschungsminister Andreas von Bülow in eine Schieflage. Duphorn hatte in seinem Gutachten unter anderem beklagt, weder Zeit noch Mittel hätten ausgereicht, um weitere nötige Untersuchungen vorzunehmen. Ein Sprecher des Forschungsministeriums (BMFT) wies diesen Vorwurf zurück. Wenn bekannt gewesen sei, daß weitere Mittel nötig gewesen wären und der Forscher noch Zeit benötige, so hatte man darüber ganz sicher reden können.. In solchen Sachen sei das Haus noch nie pingelig gewesen (Bonner Kulisse vom 16 Juli 1982).

Duphorn stellt nun die Situation ganz anders dar. Er habe nicht nur wissen lassen, daß weitere Arbeiten nötig seien, tatsächlich habe die Physikalisch Technische Bundesanstalt (PTB) ihm und seinem Mitarbeiterteam – drei jüngere Leute – eine Vertragsverlängerung bis Ende 1982 in Aussicht gestellt Das Bonner Forschungsministerium habe dann aber die nötigen Mittel nicht bewilligt, Duphorns Mitarbeiter wurden arbeitslos. Der Verlust der Mitarbeiter führte zugleich dazu, daß der Professor mit der Abgabe seines Gutachtens unter Zeitdruck geriet. Er heuerte eine frischgebackene Diplom-Geologin und einen Studenten an, die er bis zur Abgabe seines Gutachtens aus eigener Tasche finanzierte. Duphorn: „Das macht bis Ende Mai insgesamt einen Privatbeitrag zur deutschen Entsorgungsforschung von ca. 8000 Mark.“ Zu allem Überfluß mußte sich Duphorn „nach dem Griff in die private Haushaltskasse, der am Ende sogar noch etwas kräftiger ausfiel, weil ich – am mit dem BMFT zu sprechen – auch nicht ‚pingelig‘ sein wollte, von meiner Frau fragen lassen: ‚Wer baut denn eigentlich das Endlager? Du oder der Bund?‘“

Recht merkwürdig ist auch, daß das Forschungsministerium Duphorns Anliegen, weitere Erkundungen vorzunehmen, mit der Begründung ablehnte, daß es sich doch nur um „akademische Fragestellungen“ handele. Klaus Duphorn: „Ironie des Geologen-Schicksals: Für die linke Presse bin ich nunmehr ein Atom- und Salzlagerungs-Befürworter, der in Sachen Atomstaat forscht, für das Forschungsministerium bin ich ein Fachidiot, der über dem Salzstock Gorleben nur seinen akademischen Elfenbein-Turm bauen will.“