Grundsätzliche Übereinkunft wurde erzielt, daß künftig an der Telefunken Fernseh- und Rundfunk GmbH in Hannover, einer bisher hundertprozentigen Tochter der AEG-Telefunken AG, zwei Holdings beteiligt sein werden: eine Industrieholding mit 51 Prozent und eine Bankenholding mit 49 Prozent.

  • An der Industrieholding bleibt die AEG, ohne neues Kapital einzuschießen, mit 49 Prozent engagiert. Die knappe Mehrheit von 51 erwirbt die Grundig AG, Fürth, für 26 Millionen Mark Bareinlage. Sie ist damit indirekt am Telefunken-Stammkapital, das unverändert 100 Millionen Mark betragen soll, zu 26 Prozent beteiligt, steigt also zu pari ein.
  • Zu einem Kurs von 200 Prozent erwerben über die Bankenholding vorerst vier Banken – die Dresdner Bank als Konsortialführerin, die Deutsche Bank als Mitführerin, die Norddeutsche Landesbank Girozentrale und die genossenschaftliche DG-Bank – 49 Prozent des Telefunken-Kapitals. Zu diesem Zweck wandeln sie knapp 100 Millionen Mark ihrer an AEG-Telefunken gegebenen Kredite um: sie erhalten dafür 49 Millionen Stammkapital und zahlen ein Agio in gleicher Höhe, das den Rücklagen zufließen dürfte.

Damit ist es allerdings nicht getan. Zusätzlich müssen weitere 250 Millionen Mark der von den 25 Konsortialbanken an AEG-Telefunken gegebenen Krediten direkt auf die „neue“ Telefunken GmbH übertragen werden.

Damit die Telefunken-Bilanz in Ordnung gebracht werden kann – Voraussetzung für Grundigs Einstieg mit barem Geld – muß ferner das Problem der Pensionsrückstellungen gelöst werden. Da von den im Konzern rechnerisch fehlenden zwei Milliarden Mark – die finanzielle Hauptklippe der AEG-Sanierung – „nur“ siebzig Millionen Mark auf Telefunken entfallen, wird das dafür geforderte „Opfer“ als vergleichsweise bescheiden angesehen.

Grundig will außerdem nicht als der Buhmann dastehen, der Arbeitsplätze „vernichtet“. AEG soll deshalb dem neuen Partner diese Last abnehmen und vorher den Abbau unrentabler Arbeitsplätze bei Telefunken beschließen. Gefährdet ist vor allem das Werk Hannover, in dem von rund 9500 Telefunken-Mitarbeitern rund zehn Prozent beschäftigt sind.