Von Hermann Bößenecker

Nach getaner Arbeit gingen beide flugs in Urlaub: Max Grundig in sein Haus in Südfrankreich, Ludwig Poullain auf Segeltour von der Riviera aus über Korsika und Elba bis nach Jugoslawien. Für den Dritten im „Bunde“, den AEG-Vorstandsvorsitzenden Heinz Dürr, blieb in der letzten Woche nur Zeit für eine Stippvisite nach Bayreuth: zur Premiere von „Parsifal“.

Der fränkische Industrielle Grundig und sein neuer Berater, der Ex-Bankier Poullain, hatten. kurz vor der Sommerpause mit dem Chef des schwer angeschlagenen Elektrokonzerns AEG eine aufsehenerregende Vereinbarung (siehe Kasten) geschlossen: Grundig steigt zum Jahresende bei der bisher hundertprozentigen AEG-Tochter Telefunken ein und übernimmt dort die „unternehmerische“ Führung (ZEIT Nr. 31).

Für Ludwig Poullain, einst der „große Zampano“ des deutschen Kreditgewerbes, ist dies nach langer Zeit der erste große Deal, bei dem er dabei ist. Seit seinem jähen Sturz als Chef der Westdeutschen Landesbank Girozentrale Ende 1977 wegen eines Millionen-Mark-Beratungshonorars war Poullain nur noch mit seinem Prozeß in die Schlagzeilen gekommen.

Doch während er es früher genoß, sprühend von Aperçus und oft rotzfrech im Rampenlicht zu stehen und seine Starrolle auszukosten, zieht er es nun vor, hinter den Kulissen an den Fäden zu ziehen – wenn auch anscheinend mit gleicher Virtuosität Er gibt zu: Früher hätte er erstmal eine Serie von Interviews gegeben, ehe er in die Ferien abgeschwirrt wäre. Nun genießt er still sein Comeback in der Welt der Großfinanz – als Max Grundigs Haus-Stratege.

Jetzt zeigt sich, welch geschickter Schachzug des Fürther Radio- und TV-Patriarchen es war, daß er sich die Dienste Poullains als Berater bald nach dessen Freispruch im Herbst vergangenen Jahres sicherte. Das Landgericht Münster hatte ihn in erster Instanz vom Vorwurf der Bestechung, der Untreue und des Betruges reingewaschen – nach einem von Poullain bravourös durchgestandenen Prozeß.

Zunächst war Poullain mit großzügig bemessenem Salär in das Kuratorium der Max-Grundig-Stiftung, der obersten Konzernholding, später auch in den Aufsichtsrat der Grundig AG und der Grundig Bank GmbH eingetreten. Vor einigen Monaten wechselte er, was bisher nicht bekanntgegeben worden war, vom Kuratorium in den Vorstand der Stiftung über, den Max Grundig selbst leitet.