In den beiden letzten Ausgaben hat sich Telebiss mit dem merkwürdigen Finanzgebaren von Radio Bremen und mit der dubiosen Rolle des Intendanten Gerhard Schröder beschäftigt.

Telebiss hatte einen glaubwürdigen und unantastbaren Kronzeugen: den Bremer Landesrechnungshof. Dessen Prüfer durchleuchten ganze Zahlengebirge, und ihren Argusaugen bleibt so leicht kein Mißstand, keine Unregelmäßigkeit verborgen. Aber: die Prüfer haben Materialien rechnerisch zu sichten, nicht jedoch den Hintergrund aufzuhellen. Interpretation ist nicht ihr Job.

Telebiss hat in dieser Sache viele drängende Nachfragen bekommen. Warum, verdammt noch mal, wird in der ARD und im ZDF so gut verdient? Warum bekommt ein Oberingenieur soviel wie ein Polizeipräsident, ein Chefredakteur soviel wie ein Ministerialdirigent? Wo doch die Anstalten immer auf Gebührenerhöhung aus sind, und wo man zweitens weiß, daß die Hälfte ihrer Etats von Personalkosten aufgezehrt werden. Bei Radio Bremen gar, diesem Sender-Winzling, der nur drei Prozent zum ARD-Programm zusteuert (und das auch noch weitgehend mit dem Geld der finanzkräftigen Sender) wäre man sicher froh, vom Programm ganz entlastet zu werden. Die Mittel gingen auch so drauf.

Doch zu den Gehältern. Die Ingenieure verdienen überdurchschnittlich gut in den Funkhäusern und ebenso die Personalchefs. Und die Chefredakteure? Auch sie können nicht klagen. Aber immerhin haben sie und ihre journalistischen Kollegen den anderen erst zur Wohldotierung verholfen. Das kam so: Als das Fernsehen vor 30 Jahren „aufmachte“ und der Laden dann vor etwa 20 Jahren durch das ZDF noch vergrößert wurde, waren gute Journalisten gefragt. Damals war für die Leute der Feder die Flimmerscheibe noch höchst suspekt. Also gab es recht stattliche Angebote, jedenfalls für Top-Journalisten.

So kamen sie also, die Schreibeherren aus den Zeitungsredaktionen, und bestaunten die Welt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Der war schon damals fest in der Hand der Verwaltung und der Verwaltungsjuristen. Und die stellten vor allem „einheitliche“ Regeln auf. So gab es die Einrichtung der „freien Tage“. Die Journalisten kannten und wollten solche freien Tage, mit denen Feiertags- und Mehrarbeit ausgeglichen wurde, gar nicht. Aber dieses Recht wurde ihnen gleichsam aufgezwungen. Von wem? Von den Personalvertretungen, die ihrerseits mit starker Hand von den Gewerkschaften gesteuert wurden.

Das war etwas Neues. Aber wo hatten denn in der Geschichte der Presse je zuvor auch Kompanien von Produktionsleitern, Technikern, Buchhaltern und Handwerkern in einem Betrieb zusammengearbeitet? Da gab es Reibungsflächen, nicht zuletzt wegen der Unterschiede in den Bezügen.

Doch was das betraf, wußten die Personalvertretungen schnell Abhilfe: Da die Journalisten (und Regisseure und Dramaturgen) wegen ihrer Verträge nicht herabgestuft werden konnten, mußten eben – der hausinternen „Ordnung und Gerechtigkeit“ halber – die anderen angehoben werden. Da es um mehr Geld ging, bildete sich auch sehr schnell eine durchsetzungskräftige Koalition – die zwischen Verwaltung und Gewerkschaft.