Die Dauer dieser Pressekonferenz“, so spricht der amtierende Vorsitzende Heinz Schweden, „hängt allein von der Menge Ihrer Fragen ab. Die Regierung hat nichts mitzuteilen.“ Aber zunächst kommt keine Frage in jenem Saal der Bundespressekonferenz, in dem die Bonner Journalisten dreimal in der Woche die Regierungssprecher zu Gast haben.

Dann kommen doch noch Fragen, doch sie sind nicht mehr als pflichtgemäße Erkundigungen nach längst Gewußtem und ein paar Quisquilien. Es ist ja auch schon alles gesagt worden, und es wird immer wieder gesagt, mit der Gnadenlosigkeit tibetanischer Gebetsmühlen. Kein Tag und vor allem kein Wochenende vergeht, an dem die Bonner Politiker nicht wie eine Geisterarmee aufmarschieren, um noch einmal die alten Schlachten zu schlagen: um die Haushaltsschwierigkeiten und um das Schicksal der Regierungskoalition, in Interviews und Stellungnahmen.

Natürlich werden dabei auch schon neue Schützenlöcher ausgehoben, für die Bataillen im Herbst, vorzugsweise für die Hessen-Wahl. Hans-Dietrich Genscher zum Beispiel nimmt einerseits den Kanzler gegen die bissigen Attacken aus den Reihen der SPD in Schutz, äußert sich besorgt über die sozialdemokratischen Angriffe auf die Haushaltsbeschlüsse und zieht andererseits den Koalitionspartner an der Nase: Das Votum der hessischen FDP zugunsten der CDU gelte einer fortschrittsorientierten Wirtschaftspolitik und sei eine klare Absage an das Hamburger Modell, wo sich die SPD von den Alternativen an der Macht halten lasse.

Ekkehard Gries, der Vorsitzende der hessischen Liberalen, Sekundiert: Keineswegs ausgeschlossen sei, daß es in der Bundes-FDP bei der Vorbereitung einer Koalitionsaussage für 1984 zu ähnlichen Diskussionen wie bei den Freidemokraten in Hessen komme.

Da hat dann wieder der Wiesbadener Ministerpräsident Holger Börner recht, der Gries als „politischen Minenhund“ sieht, von Genscher vorgeschickt. Und was den Bundeshaushalt angeht, so gibt er umgekehrt der FDP recht – und seiner eigenen Partei Zucker –, wenn er gegen die vorgesehene Beteiligung der Patienten an ihren Krankenhauskosten Front macht.

Da kommen dann auch die ersten direkten Wahlkampftöne, etwa gegenüber dem freidemokratischen Bonner Wirtschaftsminister: „Lambsdorffs Verhältnis zur Rentenversicherung ist etwas lockerer als das zu Industriespenden.“ Man ahnt, wie schwer, wenn nicht wie unmöglich es im September werden wird, Bonn und die Hessen-Wahl auseinanderzuhalten.

Ungemach droht der Koalition zu allem Überfluß nun offensichtlich auch von einer ganz neuen Allianz: Jedem Gewerkschaftler müsse das Herz bluten, wenn er sehe, wie die Sozialdemokraten zur Deckung der Haushaltslöcher die Sozialkassen plünderten, hat Helmut Kohl gesagt; Arbeitnehmer wie Arbeitslose, Rentner und Kranke sollten mit ihren Groschen der SPD die Bonner Macht sichern. So ungeniert haben sich die Gewerkschaften wohl noch nie vereinnahmt gesehen. Die Rezeptur des Bonner Oppositionsführers gegen die Regierungspläne: mehr Investitionen, Gründung selbständiger Existenzen, Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital. Nur: Einzelheiten fehlen.