Ein einheitlicher Steuersatz würde vor allem die kleinen Einkommen stärker belasten

Die Idee ist radikal und faszinierend: Jeder Steuerzahler, egal, ob er viel oder wenig verdient, entrichtet einen einheitlichen Prozentsatz seines Einkommens an das Finanzamt. Die gute alte Steuerschraube nach dem Progressionsprinzip: „Wer viel verdient, soll relativ mehr zählen“, hätte dann ausgedient.

Vorgeschlagen hat dies der prominente Wirtschaftsexperte und Präsidentenberater Arthur B. Laffer, der darin auch und vor allem einen Weg aus der immer noch anhaltenden Wirtschaftsflaute sieht. „Ein Steuersatz von durchgehend fünfzehn Prozent auf sämtliche Einkommen würde Washington dieselben Einkünfte verschaffen wie heute“, hat Laffer ausgerechnet und prophezeit: „Wenn jeder demselben Steuersatz unterläge, würde die Volkswirtschaft blühen.“

Diese Idee ließ auch das Herz von Ronald Reagan höher schlagen. Der Präsident nannte die Einführung einer proportionalen Einkommensteuer „verführerisch“ und „sehr in Betracht zu ziehen“. Verführerisch erscheint eine derart radikale Steuerreform schon deshalb, weil sich Reagan damit der begeisterten Zustimmmung gleich beider Lager sicher sein könnte, die ansonsten eine tiefe Kluft trennt: der traditionell Konservativen und der Befürworter der Angebotsökonomie.

Denn den Begüterten Amerikas, die heute den Kern der republikanischen Partei ausmachen, ist die Progression der Einkommensteuer seit langem ein Ärgernis. Zwar hat es Ronald Reagan geschafft, den Spitzensteuersatz von 70 auf 50 Prozent herunterzudrücken. Das System der Progression ist aber ansonsten intakt – die Klagen über deren „Ungerechtigkeiten“ und „sozialistische Nivellierung“ sind deshalb nicht verstummt.

Den Angebotsökonomen wiederumpaßt die proportionale Einkommensteuer so gut ins Konzept, weil dadurch die sogenannten „marginalen Steuersätze“ abgebaut würden, die ihrer Meinung nach die Bereitschaft zu Leistung und Risiko stark hemmen.

Die Höhe des marginalen oder Grenzsteuersatzes bestimmt, wieviel von jedem zusätzlich verdienten Dollar netto übrig bleibt. Jude Waneski, der „wilde Mann“ unter den Angebotsökonomen, beschreibt die lähmende Wirkung marginaler Steuersätze recht überzeugend in seinem Buch „How the world works“ („Wie die Welt funktioniert“). Darin fragt er, warum in Großbritannien immer noch so viele nagelneue Rolls-Royce-Luxuslimousinen fahren – „trotz“ der konfistatorischen Steuern in Großbritannien. Waneskis Erklärung: Vor die Wahl gestellt, hunderttausend Dollar in Produktiwermögen oder in „RR“-Metall anzulegen, erweist sich die Luxuslimousine klar als bessere Investition.