Von Klaus Viedebantt

In Zimbabwe kriselt es... Die Stunde der Rechthaberei scheint anzubrechen, für Schwarz und Weiß. Die Apartheid-Republik Südafrika hofft auf eine Bestätigung ihrer These von der schwarzen Regierungs-Unmündigkeit; so könnte sie Zeit in Namibia und Luft im eigenen Land gewinnen. Die „Frontstaaten“ Moçambique, Sambia und Angola, tief in wirtschaftliche Probleme verstrickt, erwarten, daß die Ausstrahlung der schwarz-weißen Zusammenarbeit im bislang prosperierenden Nachbarland nachläßt. In Zimbabwe selber sieht sich die zerbröselnde weiße Front des Ian Smith bestärkt.

Im Zentrum von Harare, in der Fußgängerzone der properen Hauptstadt, scharen sich morgens die Menschen um die Zeitungsverkäufer. Der Herold – er steht der Regierung Mugabe nahe – leidet keinen Mangel an Schlagzeilen. Nicht alle gefallen dem Regierungschef. Daß sein alter Widersacher, der im Kabinett schon längst entmachtete Minister Joshua Nkomo, mit Schimpf und Schande davongejagt wurde, nachdem bei seinen Parteigängern Waffen für angeblich 5000 Kämpfer gefunden worden waren – das hat er sicherlich gern gelesen; er soll an der Geschichte nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Andere Nachrichten müssen Mugabe beunruhigen.

Mit einem Handstreich schalteten seine Gegner ein Viertel der Luftwaffe aus; die Kampfmaschinen zerbarsten nach einem wohlorganisierten Anschlag auf ihrem Fliegerhorst. Zwei Tage vorher waren sechs westliche Touristen entführt worden. Bisher fehlt von ihnen noch jede Spur. Die Kidnapper verlangen die Freilassung ihrer inhaftierten militärischen Führer. Drei andere britische Touristen, die seit 18 Tagen als vermißt galten, wurden nahe der Grenze zu Moçambique tot aufgefunden. Diese Ereignisse treffen die Regierung Mugabe hart. Die Luftwaffe ist das wichtigste Kampfinstrument gegen die regierungsfeindlichen Guerilleros. Und mit der Touristenentführung gelang den Tätern, die Nkomos oppositioneller Zapu-Partei zugeordnet werden, zweierlei: Der Devisenbringer Fremdenverkehr wurde heftig getroffen, zugleich aber der Blick der Weltöffentlichkeit auf Zimbabwe gelenkt.

Mugabe hat die Gegensätze zwischen dem Mehrheitsstamm der Shona (dem er angehört) und der rund zwanzig Prozent zählenden Minderheit der Ndebele (Nkomos Stamm) nicht ausgleichen können. Selbst da, wo ihm dies zu gelingen schien, in der Verschmelzung der einstigen beiden Guerilla-Heere mit den Resten von Ian Smiths rhodesischer Truppe zu einer als schlagkräftig gerühmten Nationalarmee-, machen sich jetzt Risse bemerkbar. Nkomos einstige Kämpfer begehen in großer Zahl Fahnenflucht und verbünden sich mit den aufrührerischen Buschkämpfern.

Im Stammland Nkomos, dem Westen und Süden Zimbabwes, haben die weißen Farmer vor Monaten schon ihre eingemotteten Waffen wieder ausgepackt. Wenn sie zum Einkaufen fahren oder die Kinder in die Schule bringen, liegt die Flinte griffbereit – wie in den letzten Jahren der Ära Smith. Von einzelnen Überfällen, auch von Todesopfern wird gemunkelt, aber offiziell ist das kein Thema. Die Regierung räumt höchstens ein, daß „Dissidenten“ ein paar „Einzelaktionen“ unternommen hätten. Seitdem jedoch die Safaritouristen wieder mit bewaffneten Begleitfahrzeugen zu den Victoriafällen eskortiert werden müssen, läßt sich die wachsende Bedrohung nicht mehr verbergen.

Sucht Mugabe gar die Entscheidung gegen seinen Rivalen Nkomo? Die Gelegenheit wäre günstig. Zum erstenmal läßt das Glück des tüchtigen Mugabe nach. Die Weltmarktpreise für Zimbabwes Rohstoffe und Landesprodukte stehen niedrig, den Rekordernten der letzten beiden Jahre ist nun eine Dürre gefolgt. Das Land steht vor enormen Wirtschaftsproblemen. Da könnte sich eine innenpolitische Auseinandersetzung zur Ablenkung empfehlen. Mugabe ginge sie aus einer starken Position an.