Im Frühjahr 1979 hat sich die Drägerwerk AG mit der Ausgabe stimmrechtsloser Vorzugsaktien den Zugang zur Börse verschafft. Für das Unternehmen hat sich dieser Gang gelohnt. Auch für die neuen Aktionäre?

Bei der Drägerwerk AG, Lübeck, ist die Welt noch in Ordnung. Die Vollbeschäftigung dürfte auf absehbare Zeit gesichert sein, neue Mitarbeiter werden in begrenztem Umfang eingestellt. Der Umsatz ist 1981 um 10,1 Prozent auf 432 Millionen Mark gestiegen. Wenn der Gewinn mit einem Plus von „nur“ 2,7 Prozent nicht Schritt halten konnte, so ist dies angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Situation kein Unglück.

Außerdem ist die Gewinnberechnung für 1981 ohnehin problematisch. Das Unternehmen ist dem Vorbild anderer gut verdienender Gesellschaften gefolgt und hat einen großen Teil der Pensionsverpflichtungen, die bisher gegenüber der Sozialkasse bestanden, nunmehr selbst übernommen mit der Folge, daß 21,4 Millionen Mark neue Pensionsrückstellungen gebildet worden sind. Damit konnte der gesamte Gewinn des Geschäftsjahres steuerfrei vereinnahmt werden. In der Steuerposition von nur noch drei Millionen – nach 21 im Vorjahr – sind keine Ertragssteuern mehr enthalten.

Investitions-Rekorde

Der Jahresüberschuß von 9,8 Millionen Mark wird ausschließlich gespeist durch die Auflösung von versteuerten Rückstellungen und dient einmal zur Ausschüttung einer Dividende von sechs Mark an die Stamm- und von sieben Mark an die Vorzugsaktionäre. Den freien Rücklagen werden außerdem 2,9 Millionen Mark zugeführt.

Diese Transaktion führte nicht nur für 1981 zu einer beträchtlichen Steuerersparnis. Durch die in den kommenden Jahren notwendigen Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen, gibt es weitere Steuerminderungen, die letztlich der inneren Stärkung des Unternehmens dienen.

Diese Politik stellt die im Gange befindlichen und geplanten Investitionen auf eine finanziell gesicherte Basis. Sie erforderten 1981 bei einem Aktienkapital von 53,9 Millionen stolze 36 Millionen Mark. Diese Summe wird in diesem Jahr auf über 40 Millionen Mark steigen. Im Hinblick auf die Investitionszulage sollen gewisse Vorhaben vorgezogen werden. Kein Wunder, wenn Vorstandsmitglied Christian Dräger das Konjunkturförderungsprogramm der Bundesregierung als sehr „positiv“ beurteilt. Es bringt seinem Unternehmen bares Geld.