Bei der „Queen“ und der „Concorde“ paßt Rationalität nicht ins Gepäck

Von Klaus Viedebantt

Selbstverständlich hätte ich diese miese Charge mit einer besonders angedreckten Mehrpfundnote gefügig machen können ...“ Gemeint ist Mister MacCarthy, der auf der „Queen Elizabeth“ die Restaurantsitze verteilt und Herrn Buchheim nicht mit der gebotenen Sorgfalt behandelt hat. Herr Buchheim aus München hat fürchterlich zurückgeschlagen. Er hat ein Buch über das Schiff, seinen Kapitän und Mister MacCarthy geschrieben. Alle drei mag er nicht. Das ist sein gutes Recht und war Stoff für eine ungerechte, aber gelungene Reportage. Aber damit war die Rachlust offensichtlich nicht befriedigt. Aus der guten Reportage wurde ein schlechtes, weil in jeder Hinsicht aufgeblasenes Buch, versetzt mit viel U-Boot-Nordatlantik-Nostalgie. Ein alter Mann und sein Meer.

Wir lernten Mister MacCarthy kennen. Er plazierte uns im Restaurant, ein höflicher, hilfsbereiter Mann, der den Frauen imponierte. Typ „Kleiderschrank im Cut“, jeden Tag mit einer frischen Nelke am Revers. Vielleicht hatte ihn die schiffsinterne Beförderung vom „Tables of the World“-Restaurant in das etwas feinere „Columbia“-Restaurant so verändert? Wir fragten ihn nach Herrn Buchheim. Nein, er konnte sich nicht erinnern. Zu Recht, wie sich später herausstellte. Buchheim hatte den Namen erfunden, um einen anderen Restaurantchef des Luxusliners damit zu charakterisieren – es war ein schierer Zufall, daß dessen Kollege den diskriminierend gemeinten Namen tatsächlich trug. Manchmal geht einem fast alles daneben.

Ob Herr MacCarthy noch an Bord ist, weiß ich nicht. All das geschah, bevor die QE 2 zum Kriegseinsatz vor die Falkland-Inseln geschickt wurde. Das Schiff ist zurück und mit ihm seine Crew, glücklich und unversehrt. Aber nicht für alle Mannschaftsmitglieder ist das Glück von Dauer. Die Besatzung des letzten großen Linienschiffs soll verringert werden. Die Cunard-Reederei muß an allen Ecken und Enden sparen. Das 67 500 Bruttoregistertonnen große Schiff – der größte Passagierdampfer, bis die „France“ zur „Norway“ mutierte und um ein paar Meter verlängert wurde – verbraucht zu viel Öl und verschlingt zu viel Personalkosten, um rentabel fahren in können. Immer wieder kursiert das Gerücht, das Schiff werde irgendwo als Museum andocken müssen, wenn sich nicht ein Käufer finde.

Britanniens Stolz auf den Wellen teilt diese trübe Zukunftsaussicht mit dem Flaggschiff der britischen Luftflotte, der „Concorde“. Das erste überschallschnelle Verkehrsflugzeug, mit den Farben der British Airways und der Air France unterwegs, ist zu teuer im Spritverbrauch, zu laut und zu klein, um ökonomisch vertretbar fliegen zu können. Das technische Prachtstück ist nur noch auf der Nordatlantikroute unterwegs, auf allen anderen Strecken wurde das Überschall-Experiment längst abgebrochen. Selbst auf der bestausgelasteten Route zwischen Europa und New York rentiert sich der Supervogel mit der Knicknase nur, wenn man die immensen Entwicklungskosten als Verlustzuweisung für den technischen Fortschritt zu Lasten der britischen und französischen Staatskasse abschreibt.

Auch die Concorde hat ihr Scheibchen Falkland-Ruhm abbekommen: Als in den ersten Tagen des Krieges noch eine diplomatische Lösung möglich schien, jetteten Londons Außenpolitiker auf den dreieckigen Supersonic-Schwingen nach Washington und New York. Kein Nachrichtensprecher ließ den Hinweis auf das Transportmittel aus, schon, um die Eilbedürftigkeit der Mission zu betonen.