Von Heinz Michaels

Der Ausverkauf geht weiter. Im Hauptquartier der Pan American World Airways teilte C. Edward Acker, als Wunderknabe des amerikanischen Luftfahrtgeschäfts gepriesen und mit viel Vorschußlorbeer als Retter der amerikanischen Prestigefluglinie in deren Chefbüro berufen, Ende letzten Monats mit, daß PanAm nun auch seine Flotte verkleinern wird.

Die Zeiten sind lange vorbei, da Juan Trippe, der legendäre frühere PanAm-Chef bei dem amerikanischen Flugzeughersteller Boeing gleich ganze Jahresproduktionen von Jet-Flugzeugen orderte, um seine Fluglinie an die Spitze der Weltluftfahrt zu boxen. Glanz und Gloria sind dahin; seit Jahren fliegt PanAm nur noch Verluste ein.

Um Geld in die Kasse zu bekommen, mußte das Unternehmen sogar sein fashionables Verwaltungsgebäude verkaufen, das unübersehbar die Park Avenue von New York beherrscht. Um wieder Geld in die Kasse zu bekommen, mußte es sich dann auch noch von seinem Besitz an der weltweiten Intercontinental-Hotelkette trennen.

Und nun sind Flugzeuge an der Reihe: Zwölf Lockheed-Großraumflugzeuge stehen zum Verkauf, außerdem 13 alte Boeing 727 und zwei Jumbo-Frachter. Von Ersatzbestellungen ist keine Rede. PanAm, die einst nach dem Zweiten Weltkrieg die ersten Deutschen wieder nach den USA flog, wird vielmehr ihr Sitzplatzangebot um zehn Prozent verkleinern.

Reuevoll ist PanAm auch wieder in den internationalen Luftverkehrsverband IATA zurückgekehrt, den das Unternehmen vor fünf Jahren verlassen hatte, um freie Hand zu haben, mit niedrigen Flugtarifen einen Preiskampf zu entfesseln, der ganz im Sinne der amerikanischen Regierung war, inzwischen aber diverse Fluggesellschaften an den Rand des Ruins gebracht hat. Auch PanAm steht heute auf einer Liste von sieben konkursverdächtigen amerikanischen Luftfahrtgesellschaften, die in den Bankbüros der New Yorker Wallstreet zirkuliert und die Bankiers zur Vorsicht bei der Vergabe von Krediten mahnen soll.

Als das Finanzkomitee der IATA jetzt im Juni die Halbjahresbilanz zog, benötigte es denn auch nur rote Tinte: 1982 werden die 115 Mitgliedsgesellschaften voraussichtlich 1,87 Milliarden Dollar Verluste einfliegen, etwa 4,6 Milliarden Mark.