Ein halbes Jahr stritt man über den Inhalt. Dann wurde das Krisenpaket dem italienischen Volk per Expreß zugestellt. Zum Schluß mußte alles sehr schnell gehen, weil die Staatskassen praktisch leer sind und der Schatzminister noch bis zum Jahresende dringend über zwanzig Milliarden Mark Steuereinnahmen zusätzlich braucht. Verstaatlichter Gesundheitsdienst, horrende Verluste der Staatsindustrie, unzureichende Rentenbeiträge: Das alles will finanziert sein. Und da die schwache Regierung Spadolini weder ernsthaft den Rotstift zückte noch die Löcher mit drastischen Maßnahmen dort stopfen kann, wo die Fehlbeträge entstehen, wählte sie eine massive Erhöhung der Verbrauchsteuern als Schleichweg.

Jede italienische Familienkasse wird noch im Laufe dieses Jahres um tausend Mark zusätzlich erleichtert. Allein die Mehrwertsteuer steigt um drei Prozent. Der Pferdefuß ist freilich, daß eine derartige Erhöhung der Verbrauchsteuern inflationsfördernd wirkt. Und gerade das würde die Regierung gern vermeiden. Sie hat deshalb die Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs und andere im Warenkorb der Inflationsberechnung steckende Güter von der Steuererhöhung ausgenommen. Aber noch ehe die neuen Abgaben überhaupt in Kraft getreten sind, setzt bereits eine Welle von Preissteigerungen für alle Waren ein. Schon droht Rom mit Preiskontrollen, und die Gewerkschaften kündigen Streiks an. Allen kann man es eben nicht recht machen. fg