Franz Karl Maiers Kampf gegen die Kommunisten

Von Joachim Nawrocki

Franz Karl Maier kann noch kämpfen, und wie immer geht es ihm um Großes. Diesmal will der Verleger des Berliner Tagesspiegel nicht weniger als einen vermeintlich kommunistisch gesteuerten Feldzug gegen seine unabhängige Tageszeitung abwehren. In den letzten Wochen hat er deshalb fünfen seiner 45 Redakteure gekündigt, einigen gleich mehrfach und fristlos.

Der Gegner, die Deutsche Journalisten Union (dju) in der IG Druck, verfolgt demgegenüber vergleichsweise bescheidene Kriegsziele. Die Gewerkschaft will endlich eine Betriebsversammlung beim Tagesspiegel durchsetzen, um einen Betriebsrat in dem Unternehmen zu installieren. Doch Maier („Es geht um eine Frage des Geistes in Berlin“) mag nicht. Er setzt darauf, daß die Arbeitsgerichte, mit Prozessen aus dem Bereich des Tagesspiegel und der fünfzigprozentigen Tochtergesellschaft Mercator Druckerei schon immer gut beschäftigt, ihm recht geben werden, und sei es in der letzten Instanz.

Ideologische Verbohrtheit

Begonnen hat alles damit, daß im Herbst 1981 der Lokalredakteur Werner Kolhoff, Mitglied der dju, zusammen mit anderen dju-Journalisten die Patenschaft für ein besetztes Haus übernommen hatte. Nach Auffassung leitender Redakteure des Tagesspiegel war dies ein Kündigungsgrund, weil Kolhoff so nicht mehr objektiv über die Besetzerszene berichten könne. Verleger Maier aber sah von einer Kündigung ab und sagt heute: „Man muß mit den jungen Leuten, die ideologisch verbogen sind, Geduld haben.“ Kolhoff mußte nur die Patenschaft niederlegen, durfte nicht mehr über Hausbesetzer schreiben und erhielt einen Brief, in dem es hieß: Jedenfalls muß zwischen uns Klarheit darüber bestehen, daß sich etwas Ähnliches nicht mehr ereignen darf.“

Doch neun Monate später, so sieht es Maier, ereignete sich Ähnliches. In der dju-Zeitschrift Die Feder erschien ein Bericht über eine Konferenz der Berliner dju. Darin war der Vorstandsvorsitzende Volker Skierka in indirekter Rede wie folgt zitiert: „Der Tagesspiegel bietet inhaltlich zu wenig Gegengewicht zum Springer-Verlag. Noch immer gebe es außerdem in diesem Verlag keinen Betriebsrat.“ Gezeichnet war der Bericht mit Werner Kolhoff. Maier wertete dies als „Ideologische Verbohrtheit“ und „Tiefe Illoyalität“ gegenüber dem Tagesspiegel; der Autor habe sich von dem Inhalt der Ausführungen Skierkas nicht distanziert. Kolhoff erhielt die fristlose Kündigung – es sollte nicht seine letzte sein.