Der bullige Sportlertyp mit der dichten blonden Mähne, dessen Foto-Portrait der Graphiker auf den Buchumschlag geklebt hat, ist niemals Jeffrey Moore, der fünfzehnjährige Amerikaner, den uns der Autor ein bißchen als verkleinerten Gandhi vorstellt: „dünn, klein, sommersprossig“. Und wenn das Buch –

Malcolm J. Bosse: „Ganesh oder eine neue Welt“, aus dem Amerikanischen von Wolf Harranth; Verlag Benziger, Zürich, Köln; 190 S., 17,80 DM

schon nach dem elefantenköpfigen Sohn Shivas heißt, und dieser höchste Gott der Ganapatjas als Namenspatron und Leitfigur für Jeffrey steht, wäre es keine schlechte Idee gewesen, ihn aufs Cover zu bringen statt einer Figurengruppe, die für den jugendlichen Leser wenig aussagt. Die Gedankenwege der Titelgraphiker werden aber offenbar selten von der Lektüre des auszustattenden Buches erhellt; und in den Redaktionen scheint man sich nicht für das Gesicht der Bücher zu interessieren.

Malcolm J. Bosse bringt seine pädagogischen Absichten deutlich, gleichwohl unaufdringlich an den Leser. Dreierlei möchte der Professor für Literatur an der Universität New York vermitteln: Verständnis für ein fernes Land, die Prinzipien von Satyagraha, Gandhis gewaltlosem Widerstand, und eine sanfte Kritik am Verhalten amerikanischer Teenager. Deren „laute Stimmen, zappeligen Bewegungen und rüden Manieren“ stellt er der zurückhaltenden, kontrollierten Verhaltensweise von Ganesh gegenüber.

Daneben ist auch dieses, wie fast alle amerikanischen teenage books, eine Geschichte über Selbstfindung. Jeffreys indisches Idol ist nicht von ungefähr der „Überwinder der Hindernisse Ganesh.

Zu bewältigen und seelisch zu überwinden hat Ganesh den Tod beider Eltern und den Verlust seiner südindischen Heimat, in der er als Hindu- und Yoga-Schüler aufgewachsen ist.

Überwinden muß er die Fremdheit der anderen Kultur in einer amerikanischen Kleinstadt, wo er bei seiner Tante wohnen muß.