DIE ZEIT

Rundumschlag

Es war einmal ein amerikanischer Korrespondent in Bonn, der konnte unser Land nicht leiden und fand – was sein gutes Recht ist – die Deutschen widerlich.

Stimme aus dem Jenseits

Die Zeit arbeitet für Jaruzelski, die Polen werden apathischer, der Regierungssprecher lobt die innere Ruhe – solche Meldungen kamen zuletzt häufiger aus Warschau.

Nicht am Ball

War was? Unschuldsvoll blickte Hermann Neuberger, der selbstgefällige Boß des mächtigen Deutschen Fußballbundes, am vergangenen Wochenende um sich und befand in einer DFB-Bilanz der Weltmeisterschaft: Alles Windeier, was mißgünstige Journalisten und unbedarfte Politiker da an Kritik über die deutsche Mannschaft produziert hatten.

Kritik an Israel – für uns verboten?

Beirut sinkt in Schutt und Asche, Hunderttausende von Libanesen und Palästinensern leben in Angst und Schrecken, ein orientalisches Coventry von gewaltigen Ausmaßen bahnt sich an.

Reagan bleibt stur

Nun hat also auch die britische Regierung die vier englischen Firmen, die sich vertraglich verpflichtet hatten, Gasturbinen für das sibirische Erdgas-Röhren-Projekt zu liefern, angewiesen, das amerikanische Embargo gegen die Sowjetunion nicht zu beachten.

Zeitspiegel

Das Duell im Kreml um Leonid Breschnjews Nachfolge dauert an. Ex-Geheimdienstchef Jurij Andropow, der als ZK-Sekretär die Rolle des verstorbenen Chefideologen Michail Suslow übernommen hat, setzte sich dieser Tage an die Spitze – allerdings nur beim Einmarsch der Parteiführer zur Sitzung des Obersten Sowjets der Russischen Föderativen Republik.

Worte der Woche

„Ich fühle mich wie ein Ministerpräsident, der bevollmächtigt worden ist, eine mutige Armee zu kommandieren, die vor Berlin steht, wo sich – unter unschuldigen Menschen – Hitler und seine Bande in tiefen unterirdischen Bunkern versteckt halten.

Wie Sand im Stundenglas...

Unbarmherzig brennt die Sonne aus dem wolkenlosen Himmel auf das Land. Das Thermometer zeigt 38 Grad im Schatten. Es ist Mittag, Ruhezeit, Erholungszeit.

Moskau zeigt keine Flagge

Es geschah im Jom-Kippur-Krieg am 24. Oktober 1973. Um 23.41 Uhr erhöhte Washington die Abwehrbereitschaft auf Def-Con III (Defense Condition, Stufe 3).

Kreativität als Clownerie

In diesem Jahr ist das Sommerloch „grün“ ausgepolstert. Politiker und Journalisten verhelfen der unter ökologischen Vorzeichen angetretenen „Alles-frisch-Bewegung“ immer wieder zu unverhoffter Publizität.

Die Polen im Zwiespalt

A: So weit, bis sich etwas ändert...........................................................................................

Kenia: Unruhige Musterschüler

Eine Oase ist ein kümmerliches Überlebenssy – stem aus Wasserlöchern, Dattelpalmen, Kleinvieh und Ziegenhaarzelten. Umgeben von nichts als Wüste wird jede Oase zum Paradies.

Krise in Zimbabwe: Die Stunde der Rechthaber

In Zimbabwe kriselt es... Die Stunde der Rechthaberei scheint anzubrechen, für Schwarz und Weiß. Die Apartheid-Republik Südafrika hofft auf eine Bestätigung ihrer These von der schwarzen Regierungs-Unmündigkeit; so könnte sie Zeit in Namibia und Luft im eigenen Land gewinnen.

Nackte Demonstranten

In Berlin ist es derzeit selbst Hitzköpfen zu heiß. Am vergangenen Wochenende fand eine Demonstration gegen die jüngste Räumung von zwei besetzten Häusern ein vorzeitiges Ende.

Spanien: Der Machtkampf der Barone

Spaniens Regierungspartei UCD zerfällt: Ihr wichtigstes Gründungsmitglied, der frühere Ministerpräsident Adolfo Suárez, hat am Wochenende seine eigene Partei vorgestellt, das „Demokratisch-Soziale Zentrum“ (CDS).

Taktik schlägt Technik

Wir konnten nur noch ,Deckung‘ brüllen“, erinnert sich der Kapitän des britischen Zerstörers Sheffield. „Drei oder vier Sekunden später schlug die Rakete ein und explodierte.

Marine in Gefahr?

Im Marine-Führungsstab auf der Bonner Hardthöhe und im Flottenkommando in Glücksburg geben sich Militärs und Südatlantik gelassen.

Veni, Video, Vici

Am 9. Juni hebt irgendwo in Israel eine gedrungene Turboprop-Maschine ab und nimmt gemächlich Kurs aufs Mittelmeer. Ein sanfter Schwenk führt sie nach Norden.

Felix Schmidt antwortet: Ja und nein

Heinz Werner Hübner, Programmdirektor des WDR, ist ein intelligenter Mann, der brillant zu formulieren weiß, was in der Sache zu sagen ist – wenn etwas zu sagen ist.

Fernseh-Zeit: Der Troß der Buchhalter

Telebiss hatte einen glaubwürdigen und unantastbaren Kronzeugen: den Bremer Landesrechnungshof. Dessen Prüfer durchleuchten ganze Zahlengebirge, und ihren Argusaugen bleibt so leicht kein Mißstand, keine Unregelmäßigkeit verborgen.

Wieviele Bäume wollt Ihr noch?

Man mag über den (gewiß nicht unparteiischen) Autor und sein Gedicht denken wie man mag. Unzweifelhaft ist, daß seine Bitterkeit nicht nur der amerikanischen Umwelt- und Alternativbewegung, sondern darüber hinaus auch unzähligen anderen Amerikanern aus der Seele spricht.

Durchstarten vor dem Absturz

Der Ausverkauf geht weiter. Im Hauptquartier der Pan American World Airways teilte C. Edward Acker, als Wunderknabe des amerikanischen Luftfahrtgeschäfts gepriesen und mit viel Vorschußlorbeer als Retter der amerikanischen Prestigefluglinie in deren Chefbüro berufen, Ende letzten Monats mit, daß PanAm nun auch seine Flotte verkleinern wird.

Staatsverschuldung: Nichts begriffen

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren einen riesigen Schuldenberg aufgetürmt – und der finanzpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Hansjörg Häfele, sorgt dafür, daß dies nicht in Vergessenheit gerät.

Italien: Eilpaket

Ein halbes Jahr stritt man über den Inhalt. Dann wurde das Krisenpaket dem italienischen Volk per Expreß zugestellt. Zum Schluß mußte alles sehr schnell gehen, weil die Staatskassen praktisch leer sind und der Schatzminister noch bis zum Jahresende dringend über zwanzig Milliarden Mark Steuereinnahmen zusätzlich braucht.

Bonner Kulisse

Nachdem Manfred Hagenkötter, Leiter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung (BAU), wegen seines Büro-Luxus vorläufig vom Dienst suspendiert wurde, hat der Bonner Ministerialrat Wolfram Jeiter die kommissarische Leitung der Anstalt übernommen.

Arbeitsmarktabgabe: Gerecht

Die französische Regierung wagt, was sich die sozial-liberale Regierungskoalition in Bonn nicht zu tun traut: Sie will eine Arbeitsmarktabgabe auch von Beamten und Selbständigen erheben, „eine außerordentliche Abgabe im Sinne der nationalen Solidarität“, wie Sozialminister Bérégovoy sagt.

Bauindustrie: Staatlich gebeutelt

Nur mit einer Wachstumsziffer kann die deutsche Bauwirtschaft in diesem Jahr aufwarten, die ist allerdings zweistellig: Um 65 Prozent haben die Pleiten am Bau in den ersten fünf Monaten zugenommen.

Banken-Gewinne: Nur optisch schön

Die Halbjahresberichte großer deutscher Banken scheinen das alte Vorurteil zu bestätigen, wonach das Kreditgewerbe immer dann, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, die besten Geschäfte macht.

Vereinigte Staaten: Von Cowboys ausgeplündert

Um in Oklahoma erfolgreich zu sein, muß man notfalls Micky-Maus-Ohren aus Gummi anlegen, muß man Bier aus Cowboystiefeln trinken und das lässige Auftreten eines old country boy an den Tag legen.

Verleger: Ein Mann sieht rot

Franz Karl Maier kann noch kämpfen, und wie immer geht es ihm um Großes. Diesmal will der Verleger des Berliner Tagesspiegel nicht weniger als einen vermeintlich kommunistisch gesteuerten Feldzug gegen seine unabhängige Tageszeitung abwehren.

Zeitraffer

Von einem „traurigen Ergebnis“ sprechen bundesdeutsche Einzelhändler, wenn sie auf das erste halbe Jahr 1982 zurückblicken. 639 Händler mußten allein in den ersten fünf Monaten ihren Laden dichtmachen, fast siebzig Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

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