Nachdem die Deutschen ausblieben, waren es im vergangenen Jahr die Italiener selbst, die die Reisesaison retteten. Ähnlich sieht es auch in diesem Jahr aus. Wieder sind es die eigenen Landsleute, die die Hotels füllen. Nebeneffekt: Es geht wieder landestypischer zu.

Rimini, einer der klassischen Badeorte an der Adriaküste, bekam den Rückgang der Deutschen im vergangenen Jahr besonders drastisch zu spüren. Um fast zwanzig Prozent sanken dort die Ankünfte aus der Bundesrepublik Deutschland. Statt 61 800 wie im Jahr 1980 kamen nur noch 49 900 Bundesdeutsche. Daß der Urlaubsort am Jahresende trotzdem eine passable Fremdenverkehrsbilanz vorweisen konnte, verdankt er allein den eigenen Landsleuten. Von 447 200 im Jahre 1980 auf 467 100 im Jahre 1981 stiegen die italienischen Gästezahlen an, während die Auslandsgäste im gleichen Zeitraum insgesamt von 238 900 auf 205 600 zurückgingen.

Dieses Zahlenspiel macht vor allem eines deutlich – zumindest in Rimini hat das ehemals böse Wort vom „Teutonengrill“ längst seine Berechtigung verloren. Die kilometerlangen Strände, die mehr als 100 000 Gästebetten und die unzähligen Restaurants des Ortes sind längst wieder fest in italienischer Hand.

Auch in diesem Jahr sieht es an der Adria ganz so aus, als ob sich dieses Spiel wiederholen würde. Wer auf der Suche nach deutschen Lauten die Ohren spitzt, wird sie nur selten zu hören bekommen. Laut schnatternde Mammas, braungebrannte Signori und flotte junge Leute füllen Straßen und Strände. Zur Freude all derjenigen Ausländer, die italienisches Lokalkolorit lieben.

In Rimini läßt sich der optische Eindruck auch mit Zahlen belegen. Im Mai 1982 übernachteten dort 27 200mal Deutsche. 1980, vor der großen Krise, waren es im gleichen Monat noch 50 700 Übernachtungen gewesen, im Mai 1981 dagegen nur noch 14 500. Im gleichen Monat stieg aber die Zahl der Übernachtungen von Italienern von 141 400 im Jahr 1981 auf 143 700 in diesem Jahr an.

Den Hoteliers des Ortes ist dieser Landsleute-Boom durchaus recht. Es gibt keine Verständigungsprobleme wie mit den Ausländern, und die Kasse stimmt trotzdem. Ärgerlich ist die ganze Entwicklung nur für die italienischen Staatsbankiers. Ihre Deviseneinnahmen haben immer noch nicht die Rekordmarke von 1980 erreicht. Vor allem in ihren Amtsstuben lautet deshalb in diesen Tagen die Frage: Wann kehren die Deutschen nach Italien zurück?

Hans-Georg Ungefug