Der französische Kulturminister Jack Lang, ein Feuerkopf, hat wieder Funken gesprüht. Für eine Rede in Mexiko wird er geächtet, für eine Entscheidung in Paris geachtet. Beide Reaktionen sind falsch. Warum?

Auf der „Zweiten Weltkonferenz über Kulturpolitik“ der UNESCO in Mexiko-City hielt Lang vor 750 Delegierten eine Rede, in der er, unter dem Titel: „Kultur und Wirtschaft – der gleiche Kampf“, zwei einander scheinbar ausschließende Thesen aufstellte:

1. Kulturelle und künstlerische Arbeit sind heute Opfer eines multinationalen finanziellen Unterdrückungs-Systems, gegen das wir uns sammeln müssen.

2. Paradoxerweise sind es gerade schöpferisches Verhalten, künstlerische und wissenschaftliche Erneuerung, die uns erlauben, die internationale Krise zu überwinden.

Für seine erste These mußte Jack Lang nicht lange nach Beispielen suchen. Er klagte die „allzu große Passivität“ an, mit der „alle Länder“ eine „gewisse Invasion“ hinnehmen, „die Überflutung durch Bilder, die in anderen Ländern hergestellt wurden, und durch standardisierte Musik“. Alle nationale Kultur sieht Lang bedroht durch stereotype Fernsehprogramme: „Ist es unser Schicksal, Vasallen eines riesigen Imperiums des Profits zu werden?“ Langs Antwort: ein Aufruf zu einer „Résistance der Kultur, zu einem wahrhaftigen Kreuzzug“.

Wenn Leute zum Kreuzzug – wofür immer – rufen, ist es gut, genau hinzuhören. Für die Welt war die Sache rasch klar: „Lang pöbelte 35 Minuten lang die USA an.“

Macht man sich die Mühe, Langs Rede nachzulesen, merkt man, daß er die Vereinigten Staaten gar nicht nennt. Weshalb fühlen sich nur Bürger und Freunde der USA beim Namen gerufen, wenn Lang darüber klagt, daß man dem Gefühl der Trauer nicht widerstehen könne, wenn man sehe, wie „verschiedene große Nationen, die uns die Freiheit gelehrt und uns aufgerufen haben, gegen die Unterdrückung aufzustehen, heute nur noch die Moral des Profits kennen und dabei sind, der ganzen Erde eine einförmige Kultur aufzuzwingen?“ Zielen solche Sätze nicht auch auf die Sowjetunion?