Am Montagnachmittag kam er an und trug sich ins Gästebuch ein. Im Fahrstuhl sagte er zu mir: „Ich werde erstmal liegenbleiben.“ Unsere Zimmer lagen nebeneinander, und er legte sich in den Liegestuhl. Auf jedem Balkon war ein Liegestuhl. Als die Sonne unterging, legte er sich ins Bett, weil er vom Bett aus noch nie einen Sonnenuntergang beobachtet hatte.

Den Sonnenaufgang sah er sich vom Bett aus an, ein Stück vom See konnte er dabei ja auch noch sehen, und er frühstückte dann im Liegestuhl und sagte: „Ich habe in meinem Leben noch nie im Bett oder in einem Liegestuhl gefrühstückt, mir genügt ein belegtes Brötchen morgens im Stehen. Meine erste Frau ging danach wieder ins Bett, und meine zweite Frau sagt immer: ,Setz dich doch wenigstens‘, und für die Kinder macht sie manchmal Rühreier mit Schinken. Wenn alle weg sind, geht sie aber auch wieder ins Bett.“

Er überschlug das Mittagessen und ließ sich am Nachmittag Brötchen mit Marmelade auf den Balkon bringen und sagte: „Einmal kam ich ins Krankenhaus. Man hat mich schon für tot gehalten. Aber ich bin nun mal auf das Auto angewiesen. Und als ich mich wieder bewegen konnte, langte ich nur beim Frühstück zu und schlief bis abends durch. Ich habe nie viel gegessen und bin auch selten erkältet. Wenn die Kinder erkältet waren, hatte meine erste Frau mehr Angst als die zweite. Und wenn sie sich nicht fühlten und die Kinder erkältet waren, fühlten sich beide gleich wieder besser.“

Nach dem Abendessen ging er um den See herum. Ich kam ihm entgegen, und er zeigte auf die Berge. Daß er mit seinem Wagen öfter die Autobahn verläßt und auf Landstraßen weiterfährt und plötzlich hält, die Scheibe herunterdreht und sich auf dem Liegesitz ausstreckt, konnte ich nicht wissen. Aber er ist ja nun mal auf das Auto angewiesen.

Vom Sonnenaufgang war am nächsten Morgen. nichts zu sehen. Er frühstückte wieder im Liegestuhl und sagte: „Wenn ich ins Bett gehe, schlafe ich auch sofort ein. Und arbeite ich, dann bleibe ich dabei. Und wenn sich Kollegen einmal aussprechen, frage ich mich, wohin das wohl eines Tages führt. Meine erste Frau sagte: „Wenn er sich doch mal aussprechen würde...‘. Das hörte ich aber von anderen, meine zweite Frau spricht sich immer aus, doch mehr den Kindern, gegenüber aus meiner ersten Ehe.“

Statt am Abendbrottisch zu sitzen, ging er um den See herum, und als er mich traf, sagte er: „Wenn ich am Reisen bin, komme ich mir immmer unverheiratet vor, aber abends rufe ich regelmäßig zu Hause an, ob auch alles in Ordnung ist. Dann gehe ich ins Bett.“ Er ging früh zu Bett, und bei dem Wetter war es mit dem Sonnenuntergang sowieso nichts.

Am nächsten Morgen hörte ich, wie sein Bett gemacht wurde. Ich ging auf den Balkon, und das Zimmermädchen sagte, der Gast sei abgereist, aber unter dem Bett wären lauter Flaschen, Und der Portier sagte, der Herr habe sich noch das Frühstück einpacken lassen. „Er hat im Auto ja einen Liegesitz“, sagte ich, „und ist nun mal auf das Auto angewiesen.“ – „Aber er ist doch mit der Bahn gekommen“, sagte der Portier.