Selbst scheinbare Formalien werden inzwischen bei dem notleidenden AEG-Konzern zum Problem. So gilt das Überleben des zweitgrößten deutschen Elektrokonzerns zumindest bis zum Jahresende als gesichert, weil die Bundesregierung eine Exportbürgschaft über 600 Millionen Mark zugesagt hat. Tatsächlich war diese Bürgschaft aber bis Mitte dieser Woche noch immer nicht gewährt, denn die an der AEG und an den AEG-Krediten beteiligten Konsortialbanken konnten in Bonn noch keinen unterschriebenen Vertrag vorlegen.

Dabei ist man sich in den Grundzügen einig: Neukredite von 275 Millionen Mark sind zugesichert. Außerdem verzichten die Banken auf Forderungen von 260 Millionen Mark, falls zum 30. September oder zu einem späteren Zeitpunkt die Hälfte des AEG-Grundkapitals verloren ist. Bonn ist auch mit der Bedingung von Commerzbank-Chef Walter Seipp einverstanden, daß dieser Forderungsverzicht nicht gilt, wenn AEG Vergleich anmeldet oder gar in Konkurs gerät.

Unstimmigkeit gibt es aber nach wie vor um die Verteilung der Lasten, Denn einige Banken wollen nicht mehr mitmachen – eine Quote von rund acht Prozent steht offen.

Zum Schaden des Geschäftes der AEG wird nun darüber immer noch verhandelt. Und einzelne Bankiers spekulieren gar auf eine baldige Ablösung von AEG-Chef Heinz Dürr. Vorgespräche soll es sogar schon gegeben haben – aber der erste Ersatzkandidat, der einstige Krupp-Sanierer Günter Vogelsang, hat schon abgewinkt.

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In den vergangenen Wochen sorgte er für Schlagzeilen (ZEIT Nr. 31), jetzt hat er sich erstmals selbst öffentlich zu Wort gemeldet: Bauunternehmer Wilhelm Kuhrt aus Wedel bei Hamburg hat seine merkwürdige Aktion beim Hannoverschen Sanierungsfall Pelikan dabei freilich eher weiter vernebelt als klar gemacht.

Kuhrt war im Juni überraschend als Großaktionär des in Vergleich gegangenen Pelikan-Konzerns aufgetreten und hatte alle Rettungsbemühungen der Banken und des Landes Niedersachsen blockiert. Erst nach massivem Druck des Pelikan-Betriebsrats und des sozialdemokratischen Oppositionsführers im niedersächsischen Landtag, Karl Ravens, gab SPD-Mitglied Kuhrt Mitte vergangener Woche auf und verpflichtete sich, sein Aktienpaket wieder zu verkaufen.