Im Marine-Führungsstab auf der Bonner Hardthöhe und im Flottenkommando in Glücksburg geben sich Militärs und Südatlantik gelassen. Trotz der vielen Treffer im Südatlantik bleiben Überwasserschiffe für den Nato-Partner Bundesrepublik unverzichtbar: für die Sicherung des Nachschubs über den Atlantik, die Abriegelung der Ostseeausgänge und die Bekämpfung von U-Booten. Im Zusammenwirken mit einer nahezu lückenlosen Luftaufklärung und den landgestützten Marine-Kampffliegern kann die Flotte auch viel besser überleben, als eine einsame Armada am Ende der Welt. Zumal sich die Kampfbedingungen in den Küstengewässern Europas grundsätzlich von denen im Südatlantik unterscheiden:

  • Die Briten mußten ihre Armada über einen Seeweg von 12 000 Kilometern an den Feind heranführen. Ihre Nachschubstrecke – ab Ascension Island – war immerhin noch halb so lang.
  • Das Operationsgebiet der britischen Flotte lag innerhalb der Reichweite argentinischer Flugzeuge; deren Basen aber konnten die Engländer nicht ausschalten.
  • Die britische Flotte von über hundert Schiffen mußte ohne Luftaufklärungsschirm auskommen.

In einigen wichtigen Punkten sehen sich deutsche Marine-Planer durch die Falkland-Erfahrungen unmittelbar bestätigt:

Erstens: Anders als die britische Navy verzichtet die Bundesmarine beim Bau von Kriegsschiffen auf größere Mengen von Aluminium. Als tödlich erwiesen sich bei der brennenden, aber nicht leckgeschlagenen Sheffield die Aluminiumaufbauten mit niedrigem Flammpunkt. Auch bei den deutschen Kriegsschiffen der ersten Stunde, den Zerstörern der "Hamburg"-Klasse und den Fregatten der "Köln"-Klasse, wurden noch Hunderte von Tonnen Aluminium verarbeitet. Das Leichtmetall hilft zwar Stabilitäts-Probleme lösen: So können schwere Geschütze an Oberdeck und massive Radaranlagen sogar weit oberhalb des Schiffs-Schwerpunktes installiert werden. Nur: Einem Schiff, das wie die Sheffield selbst von einem Blindgänger in eine Fackel verwandelt werden kann, nützt die höhere Kenterstabilität wenig. Es dauert nur etwas länger, bis es untergeht.

Bei den neuen Bundeswehr-Fregatten der "Bremen"-Klasse, von denen die erste vor kurzem in Dienst gestellt wurde, ist deshalb der Alumimium-Anteil drastisch reduziert worden. Die notwendige Stabilität wird durch eine neuartige, dünnwandige Stahlkonstruktion des Schiffsrumpfes gewährleistet. Auf den älteren Schiffen wurden besonders gefährdete Teile (Feuerlöschanschlüsse, Kabelleitungen) durch nichtbrennbares Material ersetzt.

Zweitens: Die Bundesmarine wird die neuen Fregatten, die Zerstörer der "Lütjens"-Klasse und die Schnellboote der Klasse 143 bis spätestens 1985 mit einem Abwehrsystem gegen tieffliegende Anti-Schiffs-Raketen von der Art der französischen Exocet ausrüsten. Es soll in der Lage sein, Lenkgeschosse, die von Flugzeugen oder Schiffen hinter dem Horizont abgefeuert werden, rechtzeitig zu erfassen und im direkten Gegenanflug zu zerstören. Der Anti-Raketen-Werfer hat 24 Abschußrohre; er kann mehrere Ziele zugleich bekämpfen.

Ob er all das wirklich leisten wird, steht noch dahin. Bislang gibt es noch kein sicheres Abwehrmittel gegen Anti-Schiff-Raketen wie die Exocet, die auch auf deutschen Schnellbooten installiert ist, oder gegen den Flugkörper Kormoran, den deutsche Marineflieger verwenden. Die Amerikaner verlassen sich auf die radareesteuerte Schnellfeuerkanone "Phalanx", die anfliegenden Raketen 3000 Kleinstgranaten pro Minute entgegenschickt – nach der Devise: Eine wird schon treffen. Die Alternative, so ein britischer Admiral nach Tests mit der bisher unerprobten "Phalanx", heißt schlicht: "Beten".