In kaum einem Ressort wirkt sich die Sommerpause unbarmherziger aus als im Bildungsteil der Zeitungen. Ferienzeit, da rührt sich rein gar nichts. Etliche Zeitungen behelfen sich, indem sie das Sommerloch buchstäblich mit Zahlen stopfen – sie veröffentlichen Statistiken. Diese Meldungen wirken, jede für sich genommen, meist plausibel. Liest man mehrere zusammen, dann ändert sich das Bild drastisch.

„Zahl der Studentinnen nahm stark zu“, steht in der Badischen Zeitung. Um rund 77 Prozent sei die Zahl der Studentinnen an den Universitäten Baden-Württembergs gestiegen. Man freut sich: ein deutliches Zeichen der Emanzipation.

Aber: „Frauen geben das Studium eher auf als Männer“, steht tags darauf in etlichen Zeitungen – eine Meldung der dpa. Sie basiert auf einer Aufstellung des Statistischen Landesamtes Hessen, das, wegen des Datenschutzes (warum eigentlich?) nicht nach den Gründen dieses doch interessanten Verhaltens fragen darf. Ist es mit der Emanzipation doch nicht so weit her? Trügerisch sind vermutlich nicht, wie es in Verdis Rigoletto heißt, die Weiberherzen. Im Gegenteil: Wahrscheinlich brechen die Studentinnen ab, weil sie heiraten und Kinder bekommen. Doch das wissen wir nicht genau. Wir wissen nur: Trügerisch sind auf jeden Fall die Zahlen.

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Groß berichtet die Frankfurter Rundschau über jene älteren Menschen, die mit viel Vergnügen und Erfolg als Rentner noch ein Studium beginnen: lifelong learning. Doch ein Bericht der Frankfurter Allgemeinen läßt Zweifel an der Öffnung der Universitäten aufkommen. In Schweden, heißt es dort, komme nur noch eine Minderheit der Studenten vom Gymnasium. Weil die Universitäten auch jenen offenstehen, die keinen Gymnasialabschluß haben, aber in ihrem Berufsleben „Arbeitspunkte“ sammeln konnten, fänden jugendliche Studenten oft keinen Platz.

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Dank der geburtenstarken Jahrgänge, die nun die Mittel- und Oberstufe füllen, wird sich diese Meldung wohl auch in den nächsten Jahren wiederholen lassen: „Rekordzahlen an den Gymnasien.“