Schreibende Frauen sind seit den siebziger Jahren in der Bundesrepublik oft vehement ins Bewußtsein der Öffentlichkeit getreten. Etablierte Verlage publizieren mit Erfolg „Frauen-Reihen“ (Rowohlt „die neue frau“, Fischer „Die Frau in der Gesellschaft“), Naheliegend und notwendig, daß sich auch Jugendbuch-Verlage dieses Sujets annehmen. Frederik Hetmann gab bei Beltz & Gelberg historische Exempel („Drei Frauen zum Beispiel“); zeitgenössische Texte sammelte „Panther“ mit dem Taschenband „Unbeschreiblich weiblich“. In der Reihe „Fischer Boot“ wird Christel Schütz zweimal im Jahr ein Buch zu Frauenfragen herausgeben.

Mit einer Lizenz- und zwei Originalausgaben startete sie das Vorhaben. Ingrid Zwerenz dokumentiert in einem erzählenden Sachbuch die Geschichte des § 218. Norgard Kohlhagen gibt Kurz-Porträts von zwanzig Frauen, die „die Welt veränderten“. Und aus dem Huber-Verlag haben wir nun als Fischer-Taschenbuch das „Kursbuch für Mädchen“ –

Norgard Kohlhagen: „Nicht nur dem Manne Untertan. Frauen, die die Welt veränderten“; Fischer Boot 7514, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt; 208 S., 9,80 DM.

Gertrud Wilker (Hrsg.): „Kursbuch für Mädchen“; Fischer Boot 7524, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt; 234 S., 8,80 DM.

Norgard Kohlhagen montiert geschickt Zitate aus Schriften und Büchern der porträtierten Frauen mit eigenen Passagen, die Partei nehmen. Die Autorin beginnt im achtzehnten Jahrhundert mit Mary Wollstonecraft und beschließt die biographischen Skizzen mit Simone de Beauvoir. Historische, kulturgeschichtliche und soziologische Daten zum zeitgeschichtlichen Kontext ergänzen diese Kurz-Biographien. Vorschläge zum Weiterlesen werden jeweils im Anhang zu den zwanzig Kapiteln gegeben. Das Buch macht Lust auf eigenes Studieren.

Gertrud Wilker versammelt im „Kursbuch für Mädchen“ Romanausschnitte, Kurzgeschichten, Tagebuch-Notizen, Fiction und Non-Fiction zu Themen wie Arbeit, Liebe, Phantasie. Zu Wort kommen vor allem Frauen: Virginia Woolf, Bettina von Arnim, Christa Wolf, Rosa Luxemburg. Texte, die neugierig machen.

Beide Bücher zeigen, daß es keine sinnvolle Grenze zwischen sogenannter Jugendliteratur und der Literatur für Erwachsene gibt. Sicher gibt es altersbedingte Präferenz in der Themenwahl. Daß zum Beispiel im „Kursbuch für Mädchen“ Pubertäts- und Adoleszenz-Perspektiven erscheinen, ist sinnvoll, schließlich wendet sich dieser Band ausdrücklich an Leser, die etwa sechzehn Jahre alt sind.