Sylt kann sehr unwirtlich sein. Und manch einer empfindet die insularen Reize erst dann so recht. Etwa im März, wenn Sonne möglich ist, Wind und Regen sicher sind. Wenn die Massen der individuell Erholung Suchenden fern sind und die Lokale demzufolge fast alle geschlossen. Wenn in den geöffneten die Diensttuenden verdrossen sind. Wenn die winters ins Meer gespülten Wege noch nicht ersetzt sind. All dies also hat seine Reize, wenn die auch nicht jedermann spüren mag und wenn sie auch durchaus nicht kostenlos zur Verfügung stehen. Teuer ist auf Sylt alles, immer. Und Eintritt muß man auch bezahlen, als wär’ die Insel in Privatbesitz. Kurtaxe nennen sie das. Und der entgeht man nicht, auch wenn man ihr schon entgangen ist: Vier Monate nach der Winterreise kommt ein Brief von der Westerländer Stadtverwaltung. 14,40 Mark Kurtaxe werden nachverlangt, zuzüglich zwei Mark Versandkosten, einschließlich Rechtsmittelbelehrung. Das ist zwar nicht teuer, aber ein lächerlicher Verwaltungsakt, grotesk unwirtschaftlich und, vor allem, unwirtlich. Reizlos unwirtlich.