Diesel-Fahrer sind in Deutschland etwas Besonderes: Früher waren ihre Autos laut und lahm – aber meist von nobler Marke; heute halten sich die Käufer von Diesel-Autos zugute, besonders energiebewußt zu sein. Sie nämlich haben den Trend der Zeit erkannt; ihre Autos gehen so sparsam wie eben möglich mit den kostbar gewordenen Ölprodukten um.

Kühles Kalkül also machen die Käufer eines Selbstzünders für sich geltend – da verwundert es, daß sie in ihrer Zuneigung zum Diesel äußerst wankelmütig sind: Im vorigen Jahr schwankte der Anteil der Selbstzünder an den Neuzulassungen zwischen knapp zehn Prozent im März und 21 Prozent im September; dieses Jahr war die Treue im Januar mit neunzehn Prozent besonders hoch und im Juni mit 13,5 Prozent besonders niedrig.

Die starken Schwankungen der Diesel-Beliebtheit spiegeln – mit einigen Monaten Verzögerung – die Preisentwicklung des Benzins wider. Denn wenn Diesel im Vergleich zu Normal- oder Superbenzin besonders billig erscheint, und das ist meist im Sommer so, dann gehen auch mehr Bestellungen für Diesel-Autos ein. Zum Herbst hin, wenn wieder mehr Heizöl gekauft wird und die Ölkonzerne das chemisch identische Dieselöl nicht unbedingt beim Autofahrer absetzen müssen, verringert sich dann der Preisabstand wieder – und flugs werden auch nicht mehr so viele Diesel-Autos geordert.

Damit dokumentieren manche Diesel-Freunde ein ausgesprochen kurzes Gedächtnis. Denn die Preisschwankungen des Treibstoffs gibt es schon seit Jahren. Deshalb kann es nicht überraschen, wenn auch in diesem Sommer, bei der allfälligen Benzinpreiserhöhung zur Ferienzeit, Diesel nicht in gleichem Maße mit verteuert wird; denn noch läßt sich dieses Destillat nicht so leicht als Heizöl verkaufen.

Für den Kauf eines Diesel-Autos sollte deshalb nicht der in den nächsten Wochen wachsende Preisabstand zwischen Benzin und Diesel den Ausschlag geben; ebensowenig wie im tiefen Winter der dann sehr viel geringere Vorteil des Diesels allein schon gleich die Bestellung eines Benziners rechtfertigen sollte.

Ob zukünftig Diesel oder Benzin getankt werden soll, hängt von mehr Kriterien ab als vom Preis des Sprits. Die jährliche Fahrleistung, der geplante Einsatzzweck des Wagens und der Wiederverkaufswert sind wichtige Gesichtspunkte,

Für Vielfahrer, die nur selten auf der Autobahn die Höchstgeschwindigkeit ausnutzen wollen, kann der Mehrpreis. für ein Diesel-Auto selbst dann rentierlich sein, wenn der Kraftstoff an der Tankstelle fast so teuer bezahlt werden muß wie Super-Benzin. Bei niedriger Jahreskilometerleistung kann sich dagegen der Verbrauchsvorteil eines Dieselmotors in der Schlußabrechnung selbst dann nicht auszahlen, wenn der Diesel-Preis deutlich unter dem des Normal-Benzins liegt.