Englische Studenten fragten mich einst: „Muß es heißen ich habe das selber getan‘ oder ‚ich habe das selbst getan‘?“ beides ist richtig“, sagte ich damals. Das war vor mehr als dreißig Jahren. Und die Tatsache, daß ich mich, heute noch daran erinnere, läßt vermuten, daß mir von Anfang an nicht wohl War dabei.

Für eines von beiden hätte ich mich entscheiden müssen; Keiner sollte zwei verschiedene Wörter jemals so verwenden, als ob sie ganz dasselbe bedeuteten.

Daß Wörter sehr ähnliche Bedeutungen haben können, wissen wir. Es ist sicher nicht leicht zu unterscheiden zwischen „kriegen“ und „bekommen“, zwischen „Sonnabend“ und „Samstag“, zwischen „violett“ und „lila“. Im Englischen ist es noch schwerer, da es für so viele Begriffe immer zwei Wörter gibt, ein romanisches (to receive, value, fortunate) und ein germanisches (to get, worth, lucky): Deswegen ist in der englischen Philologie die Erforschung der Synonyme (der verschiedenen Wörter also, die angeblich dieselbe Bedeutung haben) weiter gediehen als bei uns. Da wird dann oft nachgewiesen, daß Wörter oft scheinbar dasselbe bedeuten, daß sie jedoch verschieden „riechen“, weil sie verschiedene soziale oder regionale Umfelder mit einbringen. So ist etwa „lucky“ ein Wort der Arbeiter und der Aristokraten, während „fortunate“ eher dem bürgerlichen Mittelstand zuzuordnen ist Im Deutschen würden wir den „Sonnabend“ eher im Norden, den „Samstag“ eher im Süden ansiedeln.

Das ist alles sehr klug analysiert und sehr richtig interpretiert; nur hilft es uns bei dem Wortpaar „selbst – selber“ nicht weiter.

Was tun? Eines der klügsten Bücher, wo es um deutsche Sprache geht, sind noch immer Wüstmanns „Sprachdummheiten“ aus dem Jahre 1891. Schon dort finde ich den Satz: „Es ist beschämend für uns Deutsche’selbst, wenn wir dem Ausländer sagen müssen, wir wissen: selber nicht, was richtig ist.“ Selbst wenn es nun nicht gleich beschämend wäre, peinlich ist es auf jeden Fall Und nicht sehr hilfreich. Wie denn nun also? Vielleicht kann mein soeben geschriebenes „selbst wenn“ weiterhelfen. Wir gebrauchen „selbst“ offenbar auch als Adverb im Sinne von „sogar“, und zwar immer dann, wenn im „sogar“ ein bißchen von uns selber mitschwingt.

Dieser Selbst-Gebrauch legt uns, so meine ich, nahe, von ihr und ihnen selber zu sprechen, wenn sie selber und nicht selbst sie es sind, um die es sich handelt.

Selbst ich bin mir da nicht ganz sicher. Aber wenn Sie mich selber fragten, dann würde ich sagen: Seien Sie Sie. selber, selbst wenn auch ein anderer Sprachgebrauch zu rechtfertigen wäre.

Leo