Spaniens Regierungspartei UCD zerfällt: Ihr wichtigstes Gründungsmitglied, der frühere Ministerpräsident Adolfo Suárez, hat am Wochenende seine eigene Partei vorgestellt, das „Demokratisch-Soziale Zentrum“ (CDS).

Der Gründungs-Kongreß der CDS ist für September vorgesehen, und im Herbst – so wird immer wieder spekuliert – könnte es zu vorgezogenen Neuwahlen der Cortes kommen. Denn die Regierungspartei „Union des Demokratischen Zentrums“ (UCD) verfehlte zwar im Mai 1979 mit 168 von 350 Sitzen nur knapp die absolute Mehrheit, hat seitdem aber fast 40 Abgeordnete verloren – viele sind ausgetreten (wie Suárez), andere haben ihren Austritt angekündigt, einige wollen die Regierung bis zu den Wahlen wenigstens mit ihrer Stimme unterstützen.

Seit dem Wahltag ist es um die innere Einheit der Mitte-Partei schlecht bestellt. Ihr großes Verdienst, der friedliche Übergang von der Franco-Diktatur zur Demokratie, verhinderte weder den Machtkampf der „Barone“ noch die ideologischen Zwiste der fünf Gruppen, die sich in der UCD gesammelt hatten: Christdemokraten, Liberale, Sozialreformer, Linksliberale und konservative Franco-Kritiker.

Im Februar 1981 trat Suárez als Ministerpräsident, bald darauf auch als Parteichef zurück. Ob die Kirche (wegen eines Scheidungsgesetzes) oder das Militär (das seiner Entmachtung nachtrauerte und im Februar putschte) oder die Hochfinanz (wegen Suárez’ Neigung, einen Mitte-Links-Kurs zu steuern) hinter den Kulissen seinen Sturz betrieben, ist immer noch ungeklärt. Doch seitdem kriselt es in der UCD: Bis auf die ehemaligen Franquisten sind seit November 1981 alle Gründung-„Tendenzen“ in Form eigener – linker wie rechter – Parteien abgesplittert.

Der große Verlierer ist die spanische Mitte; im kommenden Wahlkampf zeichnet sich ein Duell der Sozialisten und der Konservativen Volksallianz unter Fraga Iribarne mit jeweils kleineren Bündnispartnern aus der Mitte ab. Diese alte Frontstellung aus den 30er Jahren schreckt viele Spanier und könnte einer endlich einigen, geschlossenen und vor allem energisch auftretenden UCD der Mitte einen Überraschungs-Erfolg bescheren.

Suárez scheint einem Bündnis mit den Sozialisten nicht abgeneigt, die bei den wichtigen Regionalwahlen in Andalusien haushoch siegten. Suárez steht – obwohl er viel von seiner früheren Überzeugungskraft eingebüßt hat – noch immer für einen Reformkurs, der sich von Militär und Wirtschaft nicht beeinflussen läßt – wenn es ihm gelingt, namhafte Kräfte aus der UCD zum CDS hinüberzuziehen. -bi.