Seit rund zwei Jahren steckt die Bauwirtschaft in der Krise. Hilfe vom Staat ist kaum zu erwarten, Besserung noch nicht in Sicht.

Nur mit einer Wachstumsziffer kann die deutsche Bauwirtschaft in diesem Jahr aufwarten, die ist allerdings zweistellig: Um 65 Prozent haben die Pleiten am Bau in den ersten fünf Monaten zugenommen. 950 Betriebe erklärten von Januar bis Mai ihre Zahlungsunfähigkeit. Hält dieser Trend an, woran niemand mehr zweifelt, ist sogar ein neuer Nachkriegsrekord fällig – der zweite innerhalb von zwei Jahren. Denn schon im vergangenen Jahr griffen 1515 Inhaber oder Leiter von Bauunternehmen zum Zylinder und gingen zum Amtsgericht.

Nun gehören Pleiten zum Wirtschaftsleben wie Firmengründungen, und wenn Strukturwandel die Dezimierung von Branchen erfordert, kann man dies nicht auf Dauer verhindern, ohne volkswirtschaftlichen Schaden anzurichten. Doch die Pleitewelle am Bau hat nur sehr begrenzt strukturelle Ursachen.

Sicher ist, daß wir künftig weniger Straßen bauen werden, als uns der ehemalige Verkehrsminister Georg Leber noch vor wenigen Jahren einreden wollte. Die Pläne für den Bau von Fernstraßen sind auf weniger als die Hälfte zusammengestrichen worden. Sicher ist aber auch, daß derzeit weit mehr Straßenbaufirmen in Konkurs gehen als es der langfristige Bedarf für Straßenbau rechtfertigt.

In noch krasserem Gegensatz stehen beim Hochbau aktuelle Pleitezahlen und künftige Nachfrage. So werden seit Jahren zu wenig Warnungen gebaut. Im vergangenen Jahr fehlten rund 40 000 neue Wohnungen, in diesem Jahr werden es rund 80 000 sein. Hunderttausend Maurer legten innerhalb eines Jahres die Kelle aus der Hand. Bis zum nächsten Frühjahr wird nochmal die gleiche Zahl an Bauarbeitern folgen. Die meisten davon gehen der Baubranche für immer verloren. Beim nächsten Aufschwung werden sie ebenso fehlen wie die bankrotten Firmen mit ihren vernichteten Baukapazitäten.

Mit beinahe naturgesetzlicher Regelmäßigkeit wird sich wiederholen, was noch bei jedem Bau-Boom geschah: Die Preise werden klettern – zweistellig, so wie 1979, als ein mäßiger Aufschwung ausreichte, das Bauen um rund elf Prozent zu verteuern. Die Pleiten von heute werden den Wettbewerb von morgen behindern.

Auch wenn der immer wieder von der Baubranche vorgetragene Wunsch nach stetiger Nachfrage niemals Realität werden wird, der Staat könnte mehr dazu beitragen, das hektische Auf und Ab zu dämpfen. Es wäre schon einiges erreicht, wenn er nur eigenen Erkenntnissen folgte und selbst mehr investieren würde. Bundes- und Länderminister werden nicht müde, die Wirtschaft zu mehr Investitionen aufzufordern. Geht es aber an die eigene (knappe) Kasse, sparen sie exakt bei den Investitionen. Dies gilt besonders für Gemeinden, die rund siebzig Prozent aller öffentlichen Bauaufträge erteilen und dafür in diesem Jahr rund sechs Milliarden Mark weniger ausgeben werden als noch 1980. Es ist vor allem dieses jeder Lehrbuchweisheit Hohn sprechende prozyklische Verhalten der öffentlichen Haushalte, das viele Bauunternehmen in die Pleite treibt und Bauarbeiter um den Job bringt.